Nun hat das ZDF tatsächlich Ulrich Tilgner als ständigen Korrespondenten verloren. Chefredakteur Nikolaus Brender bestätigte gestern, der Vertrag werde definitiv nicht mehr verlängert. Tilgner hatte vor Monaten angekündigt, für das Schweizer Fernsehen arbeiten zu wollen, wo der Journalismus oft neutraler sei als in deutschen Medien. Brender sagte, Tilgner werde dem ZDF aber zumindest noch für einzelne Produktionen erhalten bleiben, das Büro in Teheran aber bald geschlossen.
Zwischenzeitlich tun sich in Mainz ganz andere Probleme auf: Am Mittwoch werden die ZDF-Korrespondenten Alexander von Sobeck (Paris), Klaus Prömpers (Wien) und Ruprecht Eser (London) mit ihren Kollegen in der Zentrale über Kritik diskutieren, die sie im Magazin "Gong" formuliert hatten (FR vom 7. April). Sich öffentlich zu äußern, die Probleme aber bei diversen Anlässen nicht zu benennen, nannte Elmar Theveßen, Leiter der Hauptredaktion Aktuelles, in einer internen E-Mail "billig und feige". Er übermittelte zudem die "geballte Empörung" seiner Redaktion.
Die versteht nicht, warum ihre "Auslandsfürsten", wie die Nörgler schon mal genannt werden, nicht begreifen würden, dass einstige politische Schwergewichte seit dem Fall der Mauer und der Ost-Erweiterung der Europäischen Union nicht mehr der Nabel der Welt seien und deshalb einen Verfall der politischen Berichterstattung vermuten. "heute"-Chefin Bettina Warken sagt: "Wir haben früher nie über Länder wie Georgien, Usbekistan, Tadschikistan oder demokratische Prozesse in der Ukraine berichten müssen."
Auch die Wirtschaft spiele heute eine größere Rolle. In Mainz heißt es zudem, dass sich Korrespondenten in Brüssel, Asien und Afrika nicht zu Wort gemeldet hätten, sei kein Zufall.
Von Sobeck entgegnet, bei Beiträgen bleibe das Politische "eben manchmal auf der Strecke". Warken sagt dazu: "Dass in einem Stück aus Paris auch Frau Bruni eine kleine Rolle spielt, hat damit zu tun, dass sie Teil der öffentlichen Diskussion ist - vor allem in Frankreich." Außerdem hätten Kollegen "durchaus ein gutes Händchen dafür", gleichzeitig auch das Programm des Präsidenten vorzustellen. Von Sobeck nannte sie nicht, dafür dessen jüngeren Mitarbeiter Stephan Merseburger.
Von Sobeck wiederum gibt an, in seinem Sender sei Außenpolitik "nur noch selten prime-time-fähig". So sei das "Auslandsjournal" so lange hin und her geschoben worden, bis es kaum noch einer finde. Die ARD würde sich hingegen auch am Vorabend noch "Sendungen mit Leuchtturmcharakter" wie den "Weltspiegel" halten.
Brender hält den Quotendruck zur Hauptsendezeit dagegen und sagt: "Eine Auslandsberichterstattung, die nicht von vielen Zuschauern gesehen wird, verliert an öffentlich-rechtlichem Wert." Außerdem sei die Zeit der "diplomatischen Korrespondenten" ebenso vorbei, wie "das klassische Feature der siebziger Jahre". Reporter, die das nicht verstehen und deshalb Kritik üben würden, seien "stehengeblieben".