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ap geht an ddp

Agentur zum Verkauf

Der deutsche Ableger der britischen Nachrichtenagentur Associated Press wird an seinen Konkurrenten ddp verkauft. Das hat Konsequenzen für Mitbewerber, aber auch für die Gesellschaft. Von Daniel Bouhs

ddp macht wohl bald Platzhirsch dpa Konkurrenz.
ddp macht wohl bald Platzhirsch dpa Konkurrenz.
Foto: dpa

Es gibt günstigere Zeitpunkte, über den Verkauf einer Nachrichtenagentur zu debattieren, als dieser Tage. Beim deutschen Ableger der Associated Press (ap) waren sie in dieser Woche jedenfalls ziemlich durcheinander, denn es ist die Woche vor dem größten nationalen politischen Ereignis des Jahres: der Bundestagswahl. Für Journalisten ist es eine spannende Zeit, aber auch eine Qual, nimmt sie doch alle geistigen Kapazitäten in Beschlag.

Ausgerechnet in dieser Woche verdichteten sich also Gerüchte, wonach die deutsche ap schon bald vom Mutterkonzern abgetrennt und der Konkurrenz zugesprochen werden könnte. Die Stimmung in der Frankfurter ap-Zentrale war so dahin, dass es schon hieß, da streue jemand gezielt Legenden, "um uns in der Wahlkampfphase zu stören".

Zur Sache

Der Deutsche Depeschendienst ddp war im Januar dieses Jahres für einen Kaufpreis von zehn Millionen Euro von den Privatleuten Martin Vorderwülbecke und Peter Löw übernommen worden. Beide Eigentümer waren Vorstände der Beteiligungsgesellschaft Arques, die den ddp im November 2004 aus dem

insolventen Kirch-Konzern übernommen hatte. Die Agentur beschäftigt

rund 150 Redakteure. (fr)

Seit gestern wissen die knapp 80 deutschen ap-Redakteure: Das ist mitnichten so. Am Vormittag erreichte sie eine E-Mail aus dem fernen London. Ihr Geschäftsführer Nigel Baker schrieb aus der Europazentrale, es sei tatsächlich ein Verkauf der deutschen Dependance an den Deutschen Depeschendienst (ddp) geplant. Tags zuvor war er noch kurz in der Redaktion - um zu beschwichtigen.

In Deutschland gibt es mehr als ein Dutzend Nachrichtenagenturen. Diese Vielfalt ist im internationalen Vergleich ein purer Luxus - für Redaktionen, die aus einem breiten Angebot wählen können, aber natürlich nicht zuletzt auch für die Gesellschaft, die so extrem umfassend mit Informationen aus Deutschland und aller Welt versorgt werden kann.

In vielen, auch westlichen Ländern, dominiert nur eine Agentur den Markt, die, wie etwa in Kanada oder Frankreich, oft auch noch viel Geld vom Staat bekommt. Die Gefahr dabei: Hofberichterstattung. Während der Marktführer, die von Verlagen selbst getragene Deutsche Presse-Agentur (dpa), neun von zehn Zeitungen beliefert, versorgt die US-Agentur ap mit ihrem deutschsprachigen Angebot jede zweite, der ddp etwas weniger.

Dazu gesellen sich noch der deutsche Dienst der Agence France-Presse (afp), der etwa so groß ist wie ap, zwei konfessionelle Agenturen und Spezialdienste für Wirtschaft, Wissenschaft und Sport.

Beim ddp hieß es gestern, mit einem Scheitern der Verhandlungen sei nicht mehr zu rechnen, sondern vielmehr mit einem Abschluss noch im Oktober. Unwahrscheinlich scheint hingegen, dass ddp und ap fusionieren. Immerhin stand der ddp erst vor wenigen Jahren noch vor der Pleite. Die Mitarbeiter der Agentur, die 1971 startete und nach der Wende mit der Ex-Ost-Agentur ADN zusammen ging, werden seitdem deutlich unter Tarif bezahlt - im Gegensatz zu den Leuten bei ap. Eine Fusion würde den Eigentümern, die als Investoren sonst auch in anderen Branchen ihr Geld verdienen und dafür etwa in Mode machen, teuer zu stehen kommen.

Das Nachrichtengeschäft dürfte sich für sie lohnen: Nach Informationen der FR ist der deutsche ap-Dienst seit Jahren profitabel. Er hat auch im vergangenen Jahr wieder ein paar Millionen Euro an die Zentrale in New York abgeführt. Und auch der ddp fährt wieder Gewinne ein. Der ddp bietet bisher keine Nachrichten aus dem Ausland. Anders der hiesige ap-Dienst. Er greift auf die 3000 Journalisten der ap zurück, die vor allem auf die USA aber auch auf den Rest der Welt verstreut sind. Das dürfte mit einer Lizenzierung auch nach einem Verkauf so sein.

Ein Verbund von ap und ddp wäre vor allem eine Gefahr für den Marktführer dpa, die teuer aber mit ihren gut 450 Redakteuren bisher auch unangefochten umfassend ist. Auch der hiesige Ableger der afp, einem direkten ap-Konkurrenten, bekäme ziemliche Probleme. Bis es soweit ist, müssen die ap-Redakteure die Wahl über die Bühne bringen. Dafür den Kopf frei zu halten, dürfte schwer fallen. Wie zur Beruhigung, aber auch wie eine Mahnung schrieb Nigel Baker, er sei sich sicher, "mich auf Ihr hohes Maß an Professionalität verlassen zu können", und wünschte abschließend "viel Glück".

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Autor: Daniel Bouhs
Datum: 26 | 9 | 2009
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