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Zukunft der dpa

Blogger und Bügeleisen

Der Markt der Nachrichtenagenturen ist umkämpfter denn je: Die dpa-Geschäftsführer Michael Segbers und Malte von Trotha erläutern im FR-Interview, wie sie die Lage sehen.

Lange war es um die Nachrichtenagenturen in Deutschland still. Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) als von den Verlagen selbst gegründeter Marktführer machte in Ruhe das größte Geschäft und die hiesigen Ableger der Agenturen Associated Press (AP), Reuters und Agence France-Presse (AFP) stellten sich mit einigen Spezialdiensten brav als sogenannte Komplementärdienste auf. Nur der Deutsche Depeschendienst (ddp) versuchte, der dpa auch in großen Stil Konkurrenz zu machen, scheiterte bis zuletzt aber.

Seit vergangenem Dezember ist jedoch alles anders: Der ddp kaufte AP-Deutschland und die Eigentümer erklärten, dpa "verzichtbar" zu machen. In dieser Woche stellen sie ihr neues Konzept vor. Die Frankfurter Rundschau im Gespräch mit den dpa-Geschäftsführern Michael Segbers und Malte von Trotha über die Lage:

Herr Segbers, Sie sagten neulich, dpa habe beim Verkauf seiner Text- und Bilderdienste "einen guten Lauf". Profitieren Sie von der Unsicherheit, die mit der laufenden Fusion von Ihren Mitbewerbern AP-Deutschland und ddp geschaffen entsteht?

Segbers: Wir kommentieren nicht, was unsere Mitbewerber machen, sondern konzentrieren uns auf Kunden und nicht auf Konkurrenten. Aber so viel: Bei der dpa weiß man vielleicht, was man hat.

Wer dpa-Material für seine Medien lizensiert, der schließt oft Verträge von drei bis fünf Jahren ab. Ihr Konkurrent ddp findet, dass das bisweilen sittenwidrig sei und klagt.

Segbers: Das ist geradezu abenteuerlich. Unsere Kunden machen außerdem die dpa-Preise quasi selbst. Wir sind eine Agentur, die von den deutschen Verlagen getragen wird. Viele von Ihnen stellen Aufsichtsratsmitglieder, die wiederum Einfluss auf unsere Preispolitik nehmen können. Anzunehmen, wir würden unsere Kunden in Zwangsverträge stecken, ist also absurd.

Es heißt, alle Kündigungen die dpa 2009 ereilt hätten, seien vom Tisch. Trifft das auch auf den dpa-Verzicht des Tagesspiegels zu, der Ihren Diensten kündigte, weil er nicht will, dass Sie Großmieter des konkurrierenden Axel-Springer-Verlages werden - was Sie mit Ihrem fast 4000 Quadratmeter großen Newsroom in Berlin aber tun?

Segbers: Wir sind jedenfalls guter Dinge, dass der Tagesspiegel auch künftig mit statt wie einst angekündigt bald ohne uns arbeitet. Und: Wir werden nicht Untermieter des Springer-Verlages sondern ziehen in die Axel-Springer-Passage, die nicht Teil des Verlagssitzes ist.

Dann bleibt auf der Landkarte dennoch ein schwarzes Loch: Essen mit der WAZ-Gruppe, die seit einem Jahr konsequent auf dpa verzichtet. Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" ist wohlgemerkt die größte Regionalzeitung unseres Landes. Eine ständige Mahnung, dass es auch ohne Ihre Meldungen und Bilder geht.

Segbers: Die WAZ ist nach wie vor unser Gesellschafter. Natürlich hat es uns bis ins Mark erschüttert, dass ein so wichtiger Kunde seine Umsätze von uns abgezogen hat. Es war auch nicht leicht, diesen Ausfall zu kompensieren. Wir werden aber alles tun, um diesen Kunden zurückzugewinnen.

Auch die Rheinische Post und die Rheinpfalz probieren es ohne dpa.

Segbers: Sie sind aber keine Nicht-Kunden wie die WAZ, sondern verzichten nur auf unseren so genannten Basisdienst. Nehmen Sie die Rheinische Post: Die Kollegen in Düsseldorf beziehen unsere Themendienste und den dpa-Bildfunk, die Rheinpfalz unseren Grafik- und unseren Dienst mit Nachrichten für Kinder. Unser neuer Chefredakteur Wolfgang Büchner hat sich auch diesen Kunden, die bisher auf das große Angebot verzichten, mit seinen Plänen vorgestellt. Wir werden in zwei Monaten zwar keine andere Vertragslage haben. Aber es gibt eben auch keine Sprachlosigkeit.

Wie subventionsbedürftig ist heute eigentlich der Agenturjournalismus? Die dpa setzt ja mehr und mehr auf Beiboote wie den hauseigenen PR-Dienstleister News Aktuell.

Von Trotha: Fakt ist, dass es derzeit nicht gelingt, das Kerngeschäft allein aus sich selbst heraus zu finanzieren. Natürlich ist es schade, wenn man merkt, dass der journalistische Wert, der geschöpft wird, zumindest nicht so goutiert wird, dass wir plus/minus null herauskommen. Aktivitäten wie News Aktuell helfen, unserer Aufgabe trotzdem nachkommen zu können.

Was wäre denn, wenn News Aktuell wegbrechen würde? Auch dort greift ddp mit ddp direct an und hat einen Preiskampf eingeläutet.

Von Trotha: Natürlich wäre das für uns nicht schön. News Aktuell muss seine Position halten. Deshalb sorgen wir dafür, dass News Aktuell ständig neue Produkte startet und hören nicht auf, in diese Aktivität zu investieren.

Aber ist es nicht so, dass Ihr PR-Dienstleister bisher ein Monopolist war?

Von Trotha: Auf keinen Fall! Es hat schon immer andere Unternehmen gegeben, die Ad-hoc-Mitteilungen von Börsenkonzernen oder schlicht Pressemitteilungen verbreitet haben. Vielleicht ist das Besondere von News Aktuell seine große Bandbreite der Produkte. Aber von einem Monopol konnte hier nie die Rede sein.

Sie entwickeln derzeit für Verlage iPad-Lösungen. Wie wichtig werden für die dpa solche Branchenlösungen sein, wenn sich der Kern Ihres Geschäfts - der Agenturjournalismus - nicht alleine trägt?

Von Trotha: Der Ausbau dieser Bereiche wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen, weil das auch unseren Kunden zeigt, dass wir mit der Zeit gehen und Partner der Verlage bleiben. Aber ich bin mir sicher, dass das bei uns nicht die Dimension einnimmt, die bei der APA Einzug gehalten hat.

Vor zwei Jahren haben Sie für Deutschland die Vermarktung des Online-Monitoring-Dienstleisters Attributor übernommen, der in den USA mit der Suche nach der illegalen Nutzung von Texten im Netz Erfolg hat. Seitdem ist von Ihnen zu diesem Thema wenig zu hören. Warum?

Von Trotha: Wir mussten leider feststellen, dass der deutsche Markt hier nicht so viel Interesse zeigt wie in den USA. Attributor wird hierzulande bei drei bis vier Zeitungsgruppen eingesetzt, zum Teil auch alternative Angebote. Der große Durchstich, wie er in Amerika erfolgt ist, passiert hier nicht. Wir sind auch davon überzeugt, dass er nicht mehr kommen wird. Deshalb sind wir dabei, das runter zu fahren und werden Attributor noch selbst nutzen, aber nicht mehr exklusiv vertreiben. Übrigens nutzen wir Attributor, um die Erfahrung zu sammeln, wie unsere Geschichten laufen. Wir sind nicht wie andere in einer Phase, in der wir Juristen durchs Land hetzen.

AFP ist beim Schutz der eigenen Urheberrechte konsequenter und gibt an, damit allein in Deutschland jährlich fünfstellige Euro-Beträge einzunehmen. Das lassen Sie sich entgehen?

Von Trotha: Dieser Schuss kann ja auch nach hinten losgehen. Wir müssen akzeptieren, dass Menschen sich einfach mit News beschäftigen. Bei uns herrscht die Überzeugung vor, dass wir nicht mit dem großen Bügeleisen darüber gehen wollen. Wenn ein Blogger etwa eine Geschichte von uns nimmt, auch in voller Länge, weil ihn ein Thema fasziniert, dann steht das in keinem Verhältnis zu dem Aufwand, der Sache nachzugehen. Das systematische Durchforsten des Internets nach formell illegaler Nutzung unserer Inhalte steht bei uns deshalb derzeit nicht an. Da geht es schließlich auch um unsere Reputation. Und die ist uns wichtig.

(Interview: Daniel Bouhs)

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Datum: 28 | 6 | 2010
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