Als deutsche Reporter rund um die Olympischen Spiele recherchierten, regten sie sich auf: Mitarbeiter des chinesischen Geheimdienstes setzten sich bei Interviews einfach neben die befragten Landsleute. Allein mit ihrer Präsenz sorgten sie dafür, dass die Interviewten zögerten, bevor sie den Journalisten etwas sagten.
In Deutschland haben wir ein ähnliches Problem: die Pressestelle der Bundeswehr. Piet Eekman, früher Producer im Brüsseler ZDF-Studio, drehte im vergangenen Jahr für den Kulturkanal Arte einen Film über die posttraumatische Belastungsstörung, kurz PTBS. In den vergangenen drei Jahren attestierte die Bundeswehr bei 477 ihrer Einsatz-Rückkehrer PTBS - eine Verdreifachung innerhalb dieses Zeitraums. Eekman bat das Verteidigungsministerium darum, ihn bei seinen Dreharbeiten zu diesem Phänomen zu unterstützen. Dem wurde stattgegeben. Eekman durfte bei der Ankunft von aus Afghanistan eingetroffenen Soldaten ebenso drehen wie in den Bundeswehr-Lagern in Feisabad, Masar-i-Scharif und Kundus.
Der Filmemacher erzählte aber der FR, die Bundeswehr habe ihn dennoch mit allen Mitteln der PR davon abgehalten, in die Tiefe zu gehen. Interviews mit Generälen seien zugesagt, aber so lange hinausgezögert worden, bis der Film fertig war. "Auf die Frage, wie ich denn in die Bundeswehr-Lager in Afghanistan kommen sollte, hieß es flapsig: Nehmen Sie doch ein Taxi", sagte Eekman.
Einen Geleitschutz, wie er für inszenierte Besuche von Pressevertretern arrangiert werde, habe man ihm verweigert. So griff Piet Eekman auf Archivbilder seiner ZDF-Kollegen zurück. Vor allem aber: Interviews mit traumatisierten Soldaten musste sich Eekman bis auf zwei Fälle selbst organisieren. Bei den vom Heer arrangierten Gesprächen passte ein Presseoffizier auf.
"Der nickte seinem Soldaten zu, wenn er antworten durfte", berichtete Eekman. Soldaten, die frisch aus Afghanistan eingeflogen waren, durfte Eekman zwar filmen. Für Interviews musste er sie aber meist vor dem Flughafen abpassen. Im Gebäude habe man ihn nicht drehen lassen oder die Soldaten unmittelbar vor den Gesprächen für ein Briefing beiseite genommen.
Genehmigung hin oder her: Der Bundeswehr, die nach bester PR-Schule mit Piet Eekman fast ausschließlich telefonisch kommunizierte, scheint das Thema nicht zu passen. Dabei bescheinigen Bundeswehr-Aussteiger und dienende Soldaten, die sich einem Interview-Verbot ihrer Heeresleitung widersetzten, in dem Film, dass das deutsche Militär mit PTBS ordentlich umgeht. Auch Ärzte sagen, das Problem sei von der Bundeswehr längst erkannt. So bleibt am Ende die politische Grundsatzdebatte: Welchen Sinn machen die Einsätze überhaupt?
Ein Bundeswehrarzt bringt es auf die simple Formel: "Kein Krieg, kein PTBS." Womöglich ist es ja genau diese Diskussion, der die Bundeswehr keine Munition liefern möchte - weshalb sie bei Dreharbeiten eingreift.
Themenabend: Traumatisierte Soldaten, Arte, 21 Uhr.