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Digitalangebot

Tagesschau rund um die Uhr

Die ARD weitet ihr digitales Angebot beim Programm "EinsExtra aktuell" aus - eine gute Alternative zu dem meist mageren Nachrichten-Brei von n-tv und N24. Von Daniel Bouhs

Mit dem Blauen Raum bei der jüngsten Weltausstellung machte die ARD Werbung für das Fernsehen der Zukunft.
Mit dem "Blauen Raum" bei der jüngsten Weltausstellung machte die ARD Werbung für das Fernsehen der Zukunft.
Foto: ard

Der Eindruck drängt sich auf, die ARD wolle etwas verbergen. Sie hat ihr Programm "EinsExtra Aktuell" jedenfalls ohne Getöse aufgebaut. Dabei ist äußerst spannend, was da im Digitalen gewachsen ist: Die "Tagesschau" sendet auf dem Digitalkanal der ARD fast schon zu jeder Viertelstunde eine aktualisierte Ausgabe in die Republik. Bloß traut sich noch kein Häuptling aus den Sendern, die Sache beim Namen zu nennen.

Denn was nicht weniger als ein Dauerprogramm der "Tagesschau" ist, dürfte die Konkurrenz auf den Plan rufen. Zu Recht: Das Angebot aus Hamburg, das sich bis auf weiteres hinter einem Tarnnamen versteckt, ist eine gute Alternative zu dem meist mageren Nachrichten-Brei von n-tv und N24. Die müssten sich richtig anstrengen, falls jemand entdeckte, was ihr gebührenfinanzierter Mitbewerber so tut.

"EinsExtra Aktuell" funktioniert so: In der beim NDR angedockten Redaktion ARD-Aktuell ziehen pro Schicht gut eine Handvoll Redakteure mit wenigen Mausklicks zusammen, was an Material auf einem zentralen Computer landet, das ihre Kollegen für die Sendungen im Ersten geordert haben. Weil die "Tagesschauen" fast den ganzen Tag über senden und die opulenten Sendungen "Tagesthemen" und "Nachtmagazin" dazukommen, ist das ein üppiges Füllhorn. Spannend ist vor allem, dass Beiträge oft früher im Kanal landen als im Ersten, weil sie bei "EinsExtra Aktuell" immer auf Sendung sind - Fließband mit Eilmeldungen inklusive.

Nur morgens, vor allem wenn das ZDF auch das Erste mit seinen "heute"-Sendungen bestückt, basteln sie sich bei "EinsExtra Aktuell" Beiträge aus Agenturmaterial zusammen oder peppen auf, was nachts in der "Tagesschau" lief. Das sieht nicht immer gut aus, hilft der ARD aber, Lücken zu stopfen, wenn ohnehin kaum einer zuschaut.

Quasi unendlicher Fundus

Hinzu kommen Schalten mit Reportern, Politikern und Wissenschaftlern - mal aus einer Aufzeichnung für das Erste, mal exklusiv für den Kanal. Die Redaktion bedient sich zudem bei NDR-Info und hinterlegt das Radio-Material mit Standbildern, Karten oder aktuellen Szenen. Und sie greift auf Kultur- und Wirtschaftsbeiträge der Dritten zurück, einem quasi unendlichen Fundus, von dem die Privaten nur träumen können. Immer häufiger gehen im Digitalen zudem Formate auf Sendung, die Tagesschau.de produziert, etwa "Deppendorfs Woche". Vom Klimagipfel in Kopenhagen soll es im Dezember zudem ein tägliches Magazin geben, an der eine aus TV- und Onlinemitarbeitern zusammengewürfelte Truppe arbeiten wird.

Bisher strahlte die "Tagesschau" ihr Dauernachrichtenprogramm lediglich an Werktagen von 9 bis 20 Uhr aus, im Anschluss an das "Morgenmagazin" und vor der 20-Uhr-Ausgabe, die auf dem Kanal natürlich auch zu sehen sind. Am Abend und in der Nacht wiederholt EinsExtra Magazine aus den Dritten oder dem Ersten - von "Anne Will" über "Monitor" bis "Zapp". Für Zuschauer ist das eine Wohltat, für den Fernsehmarkt vielleicht ein Problem.

Jetzt im November probieren sie "EinsExtra Aktuell" erstmals auch an Wochenenden aus. "Tagesschau"-Chef Kai Gniffke begründet das damit, dass man testen müsse, ob EinsExtra Aktuell" und "Tagesschau" aus einem Studio zu senden wäre. Bisher hat man dafür zwei, muss aber bald eines stilllegen, weil ein neues für die "Tagesschau" gebaut werden soll. Gniffke verrät aber auch, der Probelauf solle zeigen, "ob wir mit dem bestehenden Personal und den vorhandenen finanziellen Mitteln EinsExtra Aktuell am Wochenende senden können". Mehr Geld gebe es dafür nicht.

Der "Tagesschau"-Chef beteuert, eine Ausweitung aufs Wochenende sei nicht beschlossen, die ersten Tests aber liefen schon "fast fehlerfrei". Dem Vernehmen nach ist eine Ausdehnung des Hamburger News-Kanals für den Jahreswechsel im Gespräch. Bis dahin prüfen sie etwa, ob sie das für die "Tagesschau" bestellte Material automatisiert im Digitalen versenden können.

Wie ein abgespeckter Kanal aussehen könnte, lässt sich bereits im Netz betrachten. Dort bietet die ARD eine aktuelle "Tagesschau" auf Knopfdruck, die auch auf den neuen Hybrid-Fernsehern zu sehen ist, die am Netz hängen. Das kommt zwar noch etwas holprig rüber, ließe sich aber sicher rasch weiter entwickeln.

Passenderweise haben sie dieses Angebot schon "Tagesschau 24" getauft, ganz offiziell, aber wieder ohne Aufsehen erregen zu wollen. Die Namensgebung fällt ihnen noch schwer. Aber auch das dürfte nur eine Frage der Zeit sein. Die passende Sendung flimmert schließlich längst über den Schirm - und das inzwischen jeden Tag.

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Autor: Daniel Bouhs
Datum: 10 | 11 | 2009
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