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Trojaner aus China

Eine Dokumentation der WDR-Reihe "die story" über Hacker-Angriffe auf Regierungs-Rechner

Chinesische Hacker lesen im Bundeskanzleramt und in Ministerien mit. Sie sehen, wie Gesetzesentwürfe entstehen, vor allem aber: wie die Regierung zum Reich der Mitte steht. Von Geschäftsgeheimnissen hiesiger Konzerne, die mit den Regierungsstellen im Austausch stehen, völlig abgesehen. Unglaublich? Leider bittere Realität.

Wie das funktioniert, zeigt der WDR in seinem Film "Angriff auf Berlin". Für die Sendereihe "die story" war Egmont R. Koch in Berlin, vor allem aber in China und den USA unterwegs. Allein die journalistische Besetzung verspricht viel, war es doch Koch, der 1998 in Islamabad als einer der wenigen westlichen Journalisten ein Interview mit Abdul Qadeer Khan führen konnte, dem Mann, der Pakistan die Atombombe brachte. Und Koch produzierte für die ARD Dokumentationen über "Atomwaffen in Händen von Al Qaida" und "Die CIA und die japanische Kriegsbeute". Viel beachtet war zuletzt vor allem "Die Tradition der Folter", ein Film über entsprechende CIA-Praktiken.

Koch gilt als minutiöser Rechercheur und einer der besten Dokumentar-Filmer der Republik. Seine Leidenschaft, den Dingen hartnäckig auf den Grund zu gehen, stellt er auch heute unter Beweis, wenn auch nicht ganz so eindrucksvoll wie sonst.

Koch drehte nicht bloß die vom Verfassungsschutz längst mit Eigennutz preisgegebene Geschichte ab, wonach die deutschen Geheimdienstler seit gut fünf Jahren beobachten, wie chinesische Hacker erfolgreich Trojaner in Regierungsrechner einschleusen. Er machte sich auf, Chinas Top-Hacker vor die Kamera zu lotsen, von denen unser Verfassungsschutz glaubt, sie handelten in staatlichem Auftrag.

So sind dann zweierlei Typen zu sehen: Die in der Szene so bekannt sind, dass sie sich stellen müssen, lesen Statements vom Blatt ab, die sie zuvor vermutlich mit der Regierung absprachen. Andere verweigern sich jedem Gespräch. Natürlich haben sie schon bei der Anbahnung via Telefon einfach aufgelegt.

Nun ist es gar nicht Koch, der sich auf die Pirsch legte, was das Erlebnis ein wenig trübt. Der Erfolg des Filmemachers liegt darin, deutsche wie amerikanische Unternehmen für sein Projekt gewonnen zu haben: Sie gewährten Einblicke in ein Netz chinesischer Informanten, die die Hackerszene ausleuchten und Material liefern.

Wer das Bild, das sich so ergibt, auf sich wirken lässt, gerät mitunter ins Schmunzeln: Da leiden die Regierenden hier unter einer Methode, die sie selbst für sich beanspruchen: Während sie als Gefahr sehen, dass jemand unbemerkt Späh-Programme auf ihre Rechner lädt, versuchen sie das im eigenen Land selbst - zur Strafverfolgung, die ebenso im Verborgenen passieren soll. Je nach Sichtweise ist die Online-Durchsuchung eben mal Fluch, mal Segen…

"die story: Angriff auf Berlin", WDR, 22 Uhr.

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Autor: DANIEL BOUHS
Datum: 23 | 3 | 2009
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