Da arbeiten gebührenfinanzierte und private Sender einmal Hand in Hand - und dann geht es schief: Wenn sich die Kanzlerin und ihr Vize in knapp einem Monat, am 13. September, ein Verbalscharmützel liefern, dürften das ziemlich viele Wähler nicht mitbekommen. Und das, obwohl ARD, ZDF, RTL und Sat.1 das TV-Duell zeitgleich zeigen.
Die vier Sender wollen das Duell für sich haben. Das Stichwort heißt "TV-Exklusivität". Deshalb darf kein Radiosender, aber auch keine Internetseite den Schlagabtausch live durchleiten.
Die TV-Übertragung aber schließt Menschen aus, die dann nicht vor dem Bildschirm hocken können: Arbeitende, Reisende. Das war bei den Duellen vor den vergangenen drei Bundestagswahlen ganz anders. Da strahlte etwa das Deutschlandradio das Treffen der Spitzenkandidaten aus. Wer unterwegs war, konnte zuhören.
Beim Deutschlandradio ärgern sie sich, diesmal außen vor zu bleiben. Programmdirektor Günter Müchler sagte der FR: Das TV-Duell sei "nach allen Erfahrungen eine Begegnung, die ganz wesentlich zur Meinungsbildung der Wähler beiträgt" und "ein Ereignis von erheblichem öffentlichen und staatsbürgerlichem Interesse". Bei einem Radioverbot würden jedoch "wesentliche Teile der Wählerschaft von dieser Möglichkeit der Meinungsbildung ausgeschlossen bleiben".
Müchler ist so sauer, dass er seine Redakteure anwies, "keine Hinweise oder Empfehlungen mehr für Sendungen im Fernsehprogramm von ARD und ZDF zu bringen", wie es in einem Schreiben heißt, das der FR vorliegt.
Der Radiomann will Druck auf ARD und ZDF ausüben, die ja Teil seiner öffentlich-rechtlichen Senderfamilie sind, und erreichen, dass das Verbot bis zur Wahl doch noch kippt.
Die Chancen dafür stehen schlecht. Denn einer, der mit dem Vorgang "TV-Duell" vertraut ist, sagte der FR: "Das Verbot dürfte auch bei der einen oder anderen Redaktion von ARD und ZDF für Unmut sorgen - so ist das Leben." Die Restriktion gilt auch für die Radiosender der ARD und die Webseiten der vier übertragenden Anstalten. ARD und ZDF, sonst stets um die Jugend bemüht, finden die Quote im TV offenbar wichtiger, als junge Wähler für Politik zu interessieren, denn die informieren sich gerne im Netz, statt vor der Glotze zu hocken.
Zudem haben die vier Sender noch ein anderes kleines Problem: Zeitgleich zum Kanzlerduell zeigt ProSieben einen Film, der ebenfalls viele Zuschauer locken dürfte, vor allem jüngere: "Simpsons", den Film, der in Deutschland vor zwei Jahren an vierter Stelle des Publikums-Zuspruchs im Kino lag. Und ProSieben ist geschickt, will die Zuschauer schon vom Nachmittag an ins Programm locken. Und startet einen "Simpsons Marathon". Am Ende stehen weder Merkel noch Steinmeier, sondern Homer und Marge.