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14. März 2016

Monika Grütters: Mit so viel Kritik hat sie nicht gerechnet

 Von Kerstin Krupp
Kulturstaatsministerin Monika Grütters bei der Berlinale 2016.  Foto: AFP

Monika Grütters ist die erste Amtsinhaberin, die derart massiv in die Kritik geraten ist: Die Kulturstaatsministerin polarisiert mittlerweile die Kulturszene.

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Die junge Frau beugt sich zu dem Mann in der Reihe vor ihr. Auf dem Display von dessen Mobiltelefon ist unschwer das Wort „Kulturgutschutz“ über einem Artikel zu erkennen. „Dass du mir nicht das Podium stürmst und wieder Streit mit der Frau Grütters anfängst“, warnt die Frau halb scherzend.

Nichts dergleichen hat Bernd Schultz im Sinn, zumindest nicht an diesem Abend. Geht es doch nicht um das Kulturgutschutzgesetz, dessen lautester Kritiker der Geschäftsführer der Villa Grisebach in Berlin ist, einem der führenden Auktionshäuser Deutschlands. Er hat es wiederholt als „Guillotine des Kunsthandels“ geradezu verteufelt und Kulturstaatsministerin Monika Grütters als „beratungsresistent“. Nein, an diesem Abend verleiht die oberste Kulturpolitikerin erstmals den von ihr ausgelobten Theaterpreis.

Sie strahlt und herzt die Ausgezeichnete

Und den erhält unter anderen Bernd Schultz’ Tochter, Julia von Schacky. Gemeinsam mit ihrer Freundin, der Schauspielerin Inka Löwendorf – eben jener jungen Frau, die Schultz so unüberhörbar ins Ohr raunte – hat sie den Heimathafen Neukölln mitgegründet, eines der zwölf prämierten Theater. „Es wäre schön, wenn wir mehr Politiker wie Frau Grütters hätten, die nicht nur schön reden können, sondern auch klar denken“, bedankt sich Inka Löwendorf später auf der Bühne. Monika Grütters strahlt und herzt die Ausgezeichneten. Bernd Schultz im Publikum verzieht keine Miene.

Die Veranstaltung ist bereits einige Wochen her, ja. Sie veranschaulicht aber wunderbar, wie stark Monika Grütters inzwischen die Kulturszene polarisiert – nach mehr als zwei zweifellos erfolgreichen Jahren im Amt, in denen die CDU-Politikerin den Etat stetig steigern konnte und Moderationsgeschick gezeigt hat, wie etwa bei der Klärung von Restitutionsansprüchen auf NS-Raubkunst oder der Filmförderung, die ihr Vorgänger, der Cineast Bernd Neumann, massiv gekürzt hatte.

Inzwischen fallen Selbstbild und Wahrnehmung aber mitunter weit auseinander. Die 54-jährige Kunsthistorikerin versteht sich als Partnerin der Kulturschaffenden, als Lobbyistin an höchster Stelle. Monika Grütters war selbst einmal als Kulturveranstalterin tätig etwa für die Stiftung Brandenburger Tor, kennt also die Nöte von Kulturschaffenden durchaus aus eigenem Anschauen. Dieser Kenntnisreichtum gepaart mit der ihr eigenen Leidenschaft für Theater und Kunst sowie politischer Durchsetzungskraft hatten ihr Respekt verschafft.

Enttäuschung über die einstige Weggefährtin

Dieser wird ihr inzwischen ausgerechnet aus dem ihr am nächsten stehenden Kulturbereich, dem der Kunstliebhaber, Sammler und Galeristen verweigert. Nirgendwo sonst ist die Enttäuschung so groß über die einstige Weggefährtin. Auslöser ist besagtes Kulturgutschutzgesetz, das wichtigste Gesetzesprojekt der Kulturstaatsministerin bisher und das erste, wofür ihr Haus alleine verantwortlich zeichnet.

Die Novelle des seit 1955 bestehenden Regelwerks bestimmt den Export von Kunstobjekten innerhalb Europas neu, die älter als 70 Jahre und mehr als 300.000 Euro wert sind. Auch wird konkretisiert, was unter „national wertvollem“ Kulturgut verstanden wird, das vom Export ausgeschlossen werden kann. Händler und Sammler fühlen sich drangsaliert. Grütters wollte mehr Sicherheit für Sammler und erreichte das genaue Gegenteil. Damit hat sie nicht gerechnet.

So harsch wie in dieser Auseinandersetzung äußern sich wenige. In der Kultur fällt Streit in der Regel leise aus. Das gilt auch für die Kulturpolitiker im Bundestag. „Wir haben Sorgen“, ist dort etwa von den entsprechenden Abgeordneten des Koalitionspartners SPD zu hören.

Zitieren lassen möchte sich mit diesen Worten dann allerdings keiner der Damen und Herren. Und womöglich sind die aufgeregten Debatten der vergangenen Wochen aber auch nur ein Zeichen dafür, dass 18 Jahre nach der Schaffung eines Staatsministeriums für Kultur auch dieses Ressort in den Niederungen des politischen Alltags angekommen ist. Dazu gehört nun einmal die öffentliche Auseinandersetzung.

Monika Grütters ist die erste Amtsinhaberin, die derart massiv in die Kritik geraten ist. Das liegt nicht etwa daran, dass sie schlechter arbeitet als ihre Vorgänger. Im Gegenteil. Sie hat den Willen zu gestalten und immer wieder Stärke gezeigt in den schwierigen Debatten ihrer Amtszeit. Das kann nicht jedem gefallen. Muss es aber auch nicht.

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