Direkt nach der Premiere vermeldete Mozart Erfolg: "Nach einer jeden Aria war alzeit ein erschröckliches getös mit glatschen, und viva Maestro schreyen." Gut möglich, dass die eigene Euphorie ihn da blendete. Denn auch "Die Gärtnerin aus Liebe", die am 13. Januar 1775 im Opernhaus St. Salvator in München zur Uraufführung kam, verschwand sehr bald vom Spielplan und kehrte nie mehr zurück. Der Eingang ins Repertoire blieb dem 19jährigen Mozart versperrt. Und auch die Geschichte hat das Frühwerk lange ignoriert, eine Vorarbeit, Fingerübung, mit natürlich glanzvollen Momenten, aber eben doch noch allzu schematisch und ohne eigenen Ton.
Der umgekehrte Reflex, der zurzeit en vogue ist, nämlich jedes Jugendwerk zum Geniestreich zu überhöhen, ist selbstredend genauso engstirnig. Wie sehr sich die Arbeit aber gerade an der "Gärtnerin aus Liebe" lohnt, das wird schon nach wenigen Takten klar. Die Ouvertüre ist kein revolutionärer Wurf. Sie gehorcht überlieferten Formen, überrascht weder im Aufbau noch im Gestus. Aber wie Mozart die Tradition bedient, wie nahe er schon hier bei seinen Figuren ist, wie warm und emphatisch die Musik tönt - das macht fast sprachlos. Und es gilt, was Martin Geck in seiner erstaunlichen Mozart-Biografie festhielt: "Spätestens hier schlägt der so schwer mit Worten zu beschreibende humane, niemals urteilende Charakter von Mozarts Musik mit aller Macht durch."
Man muss sie natürlich auch so spielen. Hartmut Keil dirigiert das Frankfurter Orchester im Bockenheimer Depot ohne bilderstürmerischen Biss, aber eben auch nicht zahnlos oder bloß routiniert. Sein Mozart speist sich aus der Liebe zum Detail und einem Ton, den man in jeder Sekunde mitfühlend nennen darf.
Gärtnerin im Buffa-Wirbel
Das hat er mit der Bühne gemein. Katharina Thoma, ehemalige Regieassistentin der Oper Frankfurt und seit Februar, nach dem überraschenden Zerwürfnis mit Tilman Knabe, verantwortliche Regisseurin der "Gärtnerin aus Liebe", gelingt die heikle Balance, eine opera buffa auf die Bühne zu bringen und dabei ihr Personal nicht zu verraten.
In der schrägen, von Helmut Murauer schon vor drei Jahren für Mozarts "La finta semplice" erfundenen Bühne lässt sie sich auf den üblichen Buffa-Wirbel mit all den Verkleidungen, Verwechslungen und Verwirrungen ein, bewegt sich souverän und mit leichter Hand durch die zum Teil undankbare, weil kaum Ensembles oder auch nur Duette zulassende Dramaturgie, findet frischen, klischeefreien Witz - und macht sich dabei nicht einmal über einen ihrer Protagonisten lustig. Christof Loy ist mit seinen Mozart-Inszenierungen in Frankfurt Ähnliches geglückt: eine Choreografie zu finden, die mit der Musik und seinen Figuren geht, die gewissermaßen a tempo ist. Und auch bei Thoma bedeutet das nicht den Rückzug von Regie, sondern vielmehr deren sorgsame Pointierung. Vieles ist ganz wunderbar an diesem Abend, die Wasserschlacht zum Finale des 1. Aktes etwa, und gewinnt eine eigensinnige, verspielte Leichtigkeit, die es mit der Mozarts aufnehmen kann.
Aber immer hat Thoma ein Ohr für die Abgründe ihrer Figuren, für die Wahrheit, die ihnen inne wohnt. Das junge Ensemble der Oper Frankfurt dankt es ihr mit berückendem Gesang, allen voran Brenda Rae in der Titelrolle, also genauer der Gräfin Violante Onesti, Geliebte des Grafen Belfiore, für tot gehalten und unter dem Namen Sandrina als Gärtnerin verkleidet. Die Geschichte ist also durchaus kompliziert, aber sie lohnt, gehört zu werden.
Oper Frankfurt, 24., 26., 27. Juni, 1., 3., 4. Juli. www.oper-frankfurt. de
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