Da Reproduktionen und Fälschungen in vielen Fällen keine große technische Herausforderung mehr darstellen, liegt der Reiz vor allem darin, es möglichst kompliziert zu gestalten. Und, nun ja, möglichst originell. Die Schmuckstücke des Gold- und Silberschmieds Robert Baines aus Melbourne sind dafür ein tolles Beispiel. Seine "Schatzkammer der Beweise" hat sich für die nächsten Monate unter die Abteilungen des Museums für Angewandte Kunst in Frankfurt gemischt.
Einige Vitrinen sehen deshalb anders aus als hier üblich, schmucker sozusagen. Wer mit Robert Baines durch die Sammlung geht, muss sich erst daran gewöhnen, dass praktisch nichts von dem, was er sagt, im engeren Sinne des Wortes richtig ist (obwohl es stimmt). "Authentisch" nennt er den portugiesischen Armreif aus dem 2. Viertel des 16. Jahrhunderts, dann sagt er: Technisch sei das absolut korrekt. Aber reden wir nicht drumherum: Wie kommen die Kängurus auf das Wunderwerk aus Gold? Und warum sind sie - wie die Beschilderung gar nicht leugnet - aus Plastik? Handwerklich ist das aber große Klasse.
Baines stellt sich nicht nur an dieser Stelle vor, wie es hätte aussehen können, wenn Europa und Australien früher in Kontakt gekommen wären. Außerdem verfertigt er fast echte baltische Broschen - wobei das Original groteskerweise besonders gefälscht aussieht - oder stellt Goldobjekte mit Schweinchendekor aus der Sammlung des Abenteurers Giuseppe Ferlini (1800-1870) vor. Wenn das Auge passen muss, gibt es Vergrößerungsbilder, wie Baines überhaupt Technikschnickschnack mag. Auf dem Ferlini-Schmuck fanden sich auf diese Weise Gravuren, die angeblich die Buchstabenfolge "ALESSI" ergaben. Das ist ja ein Ding. Nicht fehlen darf ein Goldgeschmeide der Taliban, vor dem 11.9.01 als Geschenk überreicht. Baines überlegt sich, was sich die Taliban überlegten, was ihnen und zugleich Mrs. Bush gefallen könnte. Über all das kann man, muss man aber nicht lachen (auch wenn Sie sich vorstellen können, wie ein Witzwort das nächste gibt, wenn Baines hier mit Kennern von Politik und Angewandter Kunst unterwegs ist). Entscheidend ist, dass historische und Baines'sche Wahrheit schier ununterscheidbar sind. Außerhalb eines Museums wird so etwas zum Problem. Es kommt dort ständig vor und sieht meist unschön aus. Innerhalb eines Museums macht es die Dinge interessanter.
Die Museumsleute nehmen natürlich in Kauf, dass man forthin Beschilderungen - 3. Jahrtausend v. Chr., ja klar, sicher, ha ha - mit Skepsis liest. Da sie klug sind, werden sie sagen: Recht so.
Museum für Angewandte Kunst Frankfurt: bis 25. Februar 2009. www.angewandtekunst-frankfurt.de
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