Über fünfzig Jahre ist es her, dass Elvis Presley als Soldat in Friedberg stationiert war und in Wiesbaden seine spätere Ehefrau Priscilla kennenlernte. Nun ist der King zurück und schwingt im Staatstheater Wiesbaden die Hüften. Doch halt – es ist gar nicht Elvis, sondern Conrad Birdie, der dort die Herzen der Teenager-Mädchen bricht und sich die gegelte Haartolle zurechtrückt. In Charles Strouses Musical „Bye Bye Birdie“, mit dem das Jugendclub Theater die neue Spielzeit in Wiesbaden eröffnet, wirbelt der Sänger das Leben in der US-Kleinstadt Sweet Apple durcheinander. Vor seiner Einberufung zur Armee wollen sein Agent Albert und Sekretärin Rosie den Mädchenschwarm fernsehwirksam in Szene setzen und den 15-jährigen Fan Kim küssen lassen.
Natürlich spielt das Musical auf die Elvis-Hysterie der 50er und 60er-Jahre an. Bereits einen knappen Monat nach Elvis’ Rückkehr vom Militärdienst feierte das Stück 1960 am Broadway Premiere. In Wiesbaden erwecken die Laien-Darsteller des Jugendclub-Theaters den Zeitgeist des Rock’n’Roll nun mit sichtbarer Spielfreude wieder zum Leben. Unter der Regie von Iris Limbarth hat das junge Ensemble erstaunlich professionelle Choreografien eingeübt und nimmt mit viel szenischem Witz die rigide Moral der 50er Jahre aufs Korn. Zu überzeugen weiß nicht nur Jan-Philipp Rekeszus, der Conrad Birdie mit tiefschmelzender Singstimme und so tumb-testosterongeschwängertem, wie laszivem Ausdruck interpretiert, sondern insbesondere auch Felicitas Geipel, die als „spanische Rose“ Rosie Alvarez furios über Männer und Bartresen hinweg wirbelt.
Mit Liebe zum Detail ist auch das Bühnenbild von Reinhard Wust gestaltet: Pop-Art-Bilder im Stile Roy Lichtensteins und Andy Warhols bilden den knalligen Hintergrund für die Parodie auf Popstar-Hype, Medienzirkus und Pubertät. Gleichwohl vermag die vorhersehbare Handlung nicht über die vollen zweieinhalb Stunden zu tragen. Dies mag mit daran liegen, dass die Band zwar mit mitreißenden Swing-, Jazz- und Rock’n’Roll-Rhythmen das Publikum begeistert, die Teenie-Singstimmen aber konsequent schrill und Stimmbruch-gebeutelt intoniert werden. Das ist unterhaltsam – aber auf Dauer so erschöpfend wie für die jungen Fans selbst, die bis zum Morgengrauen vor dem Fenster des Kings ausharren um wieder und wieder das Birdie-Lied zu singen.
Jugendclub Theater im Staatstheater Wiesbaden, 9., 16., 28. September, 6., 13., 20, 30. Oktober. www.jugendclubtheater.de
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