Aktuell: Griechenland | Ironman Frankfurt | Frauen-Fußball-WM | Flucht und Zuwanderung | Regionale Startseite
Möchten Sie zur mobilen Ansicht wechseln?
Ja Nein

Kultur
Nachrichten, Kritiken, Interviews aus Kultur, Feuilleton, Literatur, Kunst

09. Januar 2013

Musik: David Bowie ist wieder unter uns

 Von Harald Jähner
David Bowie veröffentlicht seinen neuen Song "Where are we now" pünktlich zu seinem 66. Geburtstag,  Foto: dpa

Back in town: David Bowies neuer Song handelt von Berlin. Und weckt eine Menge Erinnerungen. „Where are we now?“ – Wo sind wir heute?, fragt das elegische Stück und ebnet den Weg für ein Comeback, das beispiellos Furore macht.

Drucken per Mail
Berlin –  

Zehn Jahre nach seiner letzten Platte und exakt an seinem 66. Geburtstag veröffentlicht David Bowie einen neuen Song. Heimlich, still und leise, ohne große Vorankündigung, stellte der vermeintliche Rentner das Lied samt Video auf seiner Homepage ins Netz. Es handelt von Berlin. „Where are we now?“ – Wo sind wir heute?, fragt das elegische Stück und ist damit zugleich viel mehr als eine Erinnerung an die Stadt, in der Bowie von 1976 bis 1978 wohnte, in der drei seiner schönsten Alben entstanden, darunter der berühmte Song „Heroes“ – Helden für eine Nacht.

In dem bei Youtube anzuschauenden Video, das gerade Furore macht wie selten ein Comeback, sieht man Schwarz-Weiß-Filmschnipsel aus dem Berlin der 70er Jahre. Natürlich auch die Schöneberger Hauptstraße 155, in der Bowie eine Wohnung im Vorderhaus bewohnte, während Iggy Pop mit dem Hinterhaus vorlieb nahm. Man sieht ein vollgestopftes Atelier, zwei kleine Fellpuppen hocken auf einer Kiste.

Zarter Raum für hindurchwehende Erinnerungen

Anstatt ihrer Köpfe sind die einmontierten Gesichter des sichtlich wehmütigen Bowie zu sehen und einer Frau, bei der es sich um Antonia Maaß handeln könnte, Sängerin der Berliner Dixieland-Band Messengers, die damals wie Bowie in den Hansa Studios aufnahm und auf der Bank gleich neben einem Grenzwachturm eine häufig kolportierte Liebesgeschichte mit Bowies Produzenten Tony Visconti begann. Auch der ist diesmal wieder dabei. Eine andere Geschichte unter soviel weiteren, langen Geschichten.

Und kurzen. „Walking the Dead“ singt Bowie. Mit den Toten geht er über die einstige Grenze von Schöneberg zum Potsdamer Platz, und über die Bösebrücke von Ost nach West, wo 1989 20.000 rübermachten, „sicherheitshalber mit gekreuzten Fingern“. Und dann kommt der „Dschungel“ in der Nürnberger Straße zur Sprache, der weiße, hellerleuchtete Club, in dem man in den späten Siebzigern die Nacht vertrieb und die Zeit überhaupt und manch ein Mann aussah wie eine Barbiepuppe. Und manch eine Frau auch. So viele unvergessene Gesichter.

„Sitting in the Dschungel on Nürnberger Straße / a man lost in time near KaDeWe / just walking the Dead.“ Bowies Stimme ist nicht brüchig, aber auch nicht ganz fest. Sie klingt vorsichtig, wie um den Erinnerungen Platz zu machen, auf dass sie hindurchwehen. Er sieht immer noch großartig aus, imponierend geradezu ohne hennarote Haare. Mit wunderbarer Zaghaftigkeit stellt er die Frage, wo wir heute sind. „As long as there ’s sun ...“ Mit den Toten gehen wir, solange da Sonne ist, solange es regnet, solange Feuer ausbricht hier und da, solange es mich gibt. Und Dich.

Zur Homepage

Anzeige

comments powered by Disqus
Anzeige

Anzeige

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen.

Times mager

Hast du Töne

Von  |
Handy-Klingeltöne schüren Verzweiflung, mal unter den Angerufenen, die verzweifelt den Ausknopf suchen, meist unter den Umstehenden, die sie ertragen müssen. Aufgeregter wird es nur mit dem Nostalgieklingeln eines alten Telefons: Erklingt es, werden viele Handtaschen durchwühlt.

Lynchstimmung im Theater: Der Welt der Handy-Klingeltöne sind kaum mehr Grenzen gesetzt, aber unglücklich ist doch das Zusammentreffen von Wagner und Bizet in der Oper.  Mehr...

Videonachrichten Kultur
Kolumne

Briefe des Philosophen Markus Tiedemann richten sich an Menschen extremer Glaubensüberzeugungen. Tiedemann ist Professor am Institut für vergleichende Ethik an der FU Berlin sowie Vorsitzender des Forums Fachdidaktik in der Deutschen Gesellschaft für Philosophie.

Service

Was läuft im Fernsehen? Wir haben Empfehlungen, Filmlisten - und den kompletten Überblick.

Talkshow-Kritiken auf einen Blick

Anzeige

Dossier

Rezensionen des FR-Feuilletons zum Bücherherbst 2014.

Kulturgeschichte
Karl, der Große

Karl der Große, geboren 748, beherrschte ein Reich, das vom Atlantik bis zur Elbe reichte, von der Nordsee bis Rom. FR-Feuilleton-Chef Christian Thomas beschreibt seine Herrschaft, die Reformen, seine Rolle als Gotteskrieger, die Bedeutung für Frankfurt - und nicht zuletzt derjenigen für Europa.

Teil 1: Bedeutender Mann im Gegenlicht
Teil 2: Sagenhafte Anfänge
Teil 3: Gewalt als Gottesdienst
Teil 4: Die Geschichte mit Karl

Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

Kino: Neustarts
FR-App und E-Paper

Bei uns bekommen Sie das neue iPad Air von Apple im Paket mit der preisgekrönten FR-App - einschließlich aller FR-Ausgaben im Layout der Zeitung als E-Paper.

Buchtipps