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Sci-Fi-Film "Moon": Nachricht von Sam

Gelungener Sci-Fi-Film von Nachwuchsregisseur Duncan Jones: "Moon" ist ein verblüffend einfacher Film, doch die Nachdenklichkeit, die er weckt, fügt eine ganze Dimension hinzu.

Von der Einsamkeit des Mondfahrers: Sam Rockwell in „Moon“.
Von der Einsamkeit des Mondfahrers: Sam Rockwell in „Moon“.

Das Computerzeitalter hatte noch nicht richtig begonnen, da führte es ein kleines Programm an einen Scheideweg: 1966 stellte der Informatikprofessor Joseph Weizenbaum sein sprachgesteuertes Programm Eliza vor, das so einfühlsam auf seine Anwender einzugehen schien, dass es als Meilenstein gefeiert wurde. Dem Wissenschaftler allerdings saß der Schalk im Nacken und er erfand gleich noch einen Roboter-Psychologen dazu namens „Doctor“. Bald graute Weizenbaum vor seiner Kreatur und wozu sie fähig war: Die Menschen gaben dem Gerät ihr Innerstes preis. Sie vertrauten der klugen Maschine so leichtfertig wie ein Kind einer Kasperle-Puppe.

Nicht nur der 2008 verstorbene Weizenbaum verbreitete fortan Skepsis gegenüber den Segnungen der künstlichen Intelligenz. Stanley Kubrick setzte Eliza schon zwei Jahre später mit seinem Film „2001 – Odyssee im Weltraum“ ein Denkmal in Gestalt des nicht wirklich vertrauenswürdigen Bordcomputers HAL. Auch im Science-Fiction-Film „Moon“ spielt eine redegewandte Universalmaschine eine tragende Nebenrolle. Sie heißt zwar Gerty, klingt aber – im Original, gesprochen von Kevin Spacey – ganz ähnlich. Dabei musste der den Kubrick-Klassiker gar nicht erst konsultieren, um einen würdigen HAL-Nachfolger abzugeben. Er brauchte lediglich in den sanften Tonfall seiner Figur aus dem Film „American Beauty“ zu schlüpfen.

Der Film

Moon, Regie: Duncan Jones, GB 2009, 97 Minuten.

So nachdrücklich wie er seinerzeit einem verstörten Cheerleader-Mädchen versicherte, es könne gar nicht ordinär sein, selbst wenn es das versuche, übt er sich auch diesmal in moralischer Ermutigung. Seinem Meister Sam (Sam Rockwell) redet er nicht nur gut zu, wenn er ihm mit Roboterarm die Haare schneidet. Vor allem gibt er diesem einsamen Hausmeister auf einer Mondstation das Gefühl der Einzigartigkeit.

Daran allerdings bestehen durchaus Zweifel: Nachdem Sam mit seinem Mondauto verunglückt ist, hat er plötzlich einen Doppelgänger. Der zweite Sam, der ihm nach drei zermürbend einsamen Mond-Jahren in seinem Job folgen soll, hat sein Gesicht und seinen Namen. Selbst die Erinnerungen gleichen sich. Ein handfester Streit darüber, wer von ihnen der echte Sam ist, führt zu keinem Ergebnis. Die Antwort wird auch hier nicht verraten.

„Moon“ ist ein verblüffend einfacher Film, doch die Nachdenklichkeit, die er weckt, fügt eine ganze Dimension hinzu. Es dauert eine Weile, bis man begriffen hat, dass hier ein einziger Darsteller in Doppelrolle den ganzen Film trägt – abgesehen von ein paar Telefonszenen, einer kurzen Rückblende und der in der Tat abendfüllenden Stimme Kevin Spaceys.

So viel Einsamkeit steckt an: Von den ersten Bildern an, die der zermürbenden Monotonie des Lebens auf der Mond-Rückseite gelten, legt sich ein Gefühl der Wehmut über die zerklüfteten Krater, das den Film lang anhält.

Keinen geringen Anteil daran hat der elegische Lounge-Soundtrack von Clint Mansell. Aber auch eine filmische Sehnsucht schwingt mit. Wie lange schon lagen die wunderbaren Möglichkeiten des philosophischen Science-Fiction-Films brach? Was für ein herrliches Genre ist das einmal gewesen, doch heute sind diese Filme so selten geworden wie Western. Zitiert werden Motive aus „Solaris“, „Ghost in the Shell“ und „Blade Runner“.

Das deutlichste Vorbild aber ist Douglas Trumbulls traurige Arche Noah von „Lautlos im Weltraum“. Damals pflegte ein depressiver Weltraumgärtner die letzten Erden-Pflanzen. Nun muss ein Einsamer auf dem Mond Rohstoffe bergen, die man für umweltfreundliche Kernfusions-Energie braucht.

Lautlos ist es im Weltraum noch immer. Eine ganz ähnliche Stimmung hat der englische Nachwuchsregisseur Duncan Jones hier geschaffen. Und dennoch arbeitet er pointiert genug, um den Zuschauer zu überraschen und den Kritiker verstummen zu lassen. Denn das eigentliche Thema entfaltet sich wie gesagt erst spät.

Autor:  Daniel Kothenschulte
Datum:  14 | 7 | 2010
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