kalaydo.de Anzeigen

Neuer Eklat: Buchmesse feuert China-Projektleiter

Nach der Ausladung einer chinesischen Dissidentin als Rednerin auf dem Abschlussempfang zieht die Buchmesse Konsequenzen: Der Leiter des Internationalen Zentrums, Peter Ripken, muss seinen Hut nehmen. Von Natalie Soondrum

Peter Ripken war auf der Buchmesse Leiter des Internationalen Zentrums und Projektverantwortlicher für das heftig umstrittene Symposium im Vorfeld der Buchmesse zum Gastland China.
Peter Ripken war auf der Buchmesse Leiter des Internationalen Zentrums und Projektverantwortlicher für das heftig umstrittene Symposium im Vorfeld der Buchmesse zum Gastland China.
Foto: dpa

Nach einem erneuten Eklat hat sich die Frankfurter Buchmesse von Peter Ripken, dem Leiter des Internationalen Zentrums der Buchmesse getrennt. Anlass für den Skandal war ein Abschlussempfang des Internationalen Zentrums in Kooperation mit dem Referat Kulturprojekte des Auswärtigen Amtes. Die chinesischen Dissidenten Dai Qing und Bei Ling waren einer Einladung von Claudia Kaiser von der Geschäftsleitung der Buchmesse zufolge davon ausgegangen, dass sie auf dem Empfang jeweils eine kurze Ansprache halten sollten.

Kurz vor der Veranstaltung hatte Ripken den beiden jedoch eine Absage erteilt, Dai Qing nur eine Viertelstunde vor Beginn. Seine Begründung: Das Auswärtige Amt wünsche ihre Grußadressen nun doch nicht.

Ripken hatte gegenüber der Frankfurter Rundschau am Sonntagabend gesagt, dass Dai Qing ursprünglich beim Abschlussempfang reden sollte, dies jedoch nie fest verabredet worden war. Der Empfang habe nichts mit dem Gastland China zu tun gehabt. Außerdem habe das Auswärtige Amt keine "Unruhe" mehr gewünscht. Warum weder er noch Claudia Kaiser den chinesischen Gästen rechtzeitig eine definitive Absage erteilten und sie so im Glauben beließen, sie seien Teil der Veranstaltung, begründete Ripken nicht. Auch eventuelle Sprachbarrieren als Ursache für fortgesetzte Missverständnisse ließ er nicht gelten. Er sagte: "Wenn Dai Qing das nicht verstanden hat, war sie eben schlecht informiert."

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte der Frankfurter Rundschau hingegen, das zuständige Referat für Kulturprogramme sei zu keiner Zeit von der Einladung der Dissidenten in Kenntnis gesetzt worden. Der Empfang markiere den offiziellen Abschluss des Einladungsprogramms der Frankfurter Buchmesse, im Zuge dessen Verlage aus Entwicklungs- und Schwellenländern nach Frankfurt kommen. Entsprechend redeten bei dieser Veranstaltung je ein Vertreter des Auswärtigen Amtes und ein Repräsentant eines eingeladenen Verlages, heiß es. "Das Auswärtige Amt hat kein Interesse daran, chinesische Dissidenten am Reden zu hindern. Nur war der Auftritt von Dai Qing und Bei Ling von unserer Seite aus nicht vorgesehen." Warum Referatsleiter Max Maldacker, der eine der beiden Ansprachen hielt, das Missverständnis nicht persönlich klärte und mit keinem der beiden chinesischen Autoren, die vor Ort waren, das Gespräch suchte, war am gestrigen Montag nicht zu klären. Er war zu keiner persönlichen Stellungnahme gegenüber der FR bereit.

Die Generalsekretärin von Amnesty International Deutschland, Monika Lüke, hat das Sprechverbot für die chinesische Dissidentin Dai Qing bei dem Abschlussempfang kritisiert. "Das ist ein Skandal", sagte Lüke der Frankfurter Rundschau. "Wenn das Auswärtige Amt eine Veranstaltung zur Buchmesse mit organisiert, darf es nicht sein, dass missliebige chinesische Autoren nicht zu Wort kommen dürfen", sagte Lüke. "Das Auswärtige Amt ist in der Verantwortung, die Pressefreiheit zu fördern, auch im Verhältnis zu China." Die Bundesregierung sei an die Menschenrechte gebunden. "Das gilt vor allen Dingen in der Politik gegenüber den Staaten, von denen bekannt ist, dass sie diese Rechte nicht beachten", sagte Lüke der FR. Von Seiten der Frankfurter Buchmesse gab es der FR gegenüber keinen Kommentar zu den Vorgängen. Als offizielle Begründung für Ripkens Entlassung wurden "anhaltende Abstimmungsschwierigkeiten" beim diesjährigen Ehrengast China genannt.

Autor:  Natalie Soondrum
Datum:  19 | 10 | 2009
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen


Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Medien
Der bessere Wulff? Komiker Oliver Kalkofe.
Wulff-Spott im Internet 
Die Darsteller im Film: Laura Osswald, Pasquale Aleardi, Alissa Jung.
Sat.1-Film „Im Brautkleid meiner Schwester“ 

Unser Literatur-Magazin zur Buchmesse gibt’s jetzt auch als multimediale App fürs iPad - mit Videos, Hör- und Leseproben.

Video

Anzeige
Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Meistgeklickt
Die Szene, die zum umstrittenen Strafstoß führte.
Eintracht gegen Düsseldorf 
Auch Bettina Wulff wirkt müder als sonst - hier besichtigt sie Leonardo da Vincis
Bundespräsident Wulff in Italien 
Sascha Rösler, Agent Provocateur
Sascha Rösler 
 
 
 
 
 
 
 
 
World Press Photo 2011
Das Bild des Jahres: Die 18-jährige Afghanin Bibi Aisha   war auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Ehemann, als die Taliban sie aufspürten.  Der Urteilsspruch: Verstümmelung. Aishas Mann schnitt ihr Nase und Ohren ab, während dessen Bruder sie festhielt. Das Porträt brachte der US-Fotografin Jodi Bieber den World Press Photo Award 2011 ein.

Die Präsentation des besten Pressefotos des Jahres ist immer ein Anlass, genauer hinzuschauen: FR-online.de erklärt mit Hilfe von interaktiven Imagemaps die Hintergründe zu drei ausgewählten Gewinnerbildern.

Anzeige

Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.

Serie
Rote Robe, schweres Amt: Ein Richter beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.

Ändert die Hirnforschung unser Bild von der Schuldfähigkeit des Menschen? In den Beiträgen geht es um die Determiniertheit menschlichen Handelns.

FR-Serie

Erleben wir tatsächlich Umbrüche oder dramatisieren wir nur? Auf diese Frage suchen Wissenschaftler und Intellektuelle Antworten.

ANZEIGE
- Informationen finden, um die Main Metropole Frankfurt entdecken und erleben zu können.
- Fragen & Antworten
- Bei HOH finden Sie Hardware, Computer und aktuelle Software zu günstigen Preisen.
- Kauftipps!