kalaydo.de Anzeigen

Neuer ZDF-Chefredakteur: "Ein Sender auf Bewährung"

Der neue ZDF-Chefredakteur Peter Frey tritt sein Amt in einer turbulenten Zeit an. Kurt Beck (SPD) will gegen den Staatsvertrag des Senders klagen. Ziel ist mehr Staatsferne. Von Peer Schader

Peter Frey folgt auf Nikolaus Brender..
Peter Frey folgt auf Nikolaus Brender..
Foto: Foto: dpa

Angestellte, die 25 Jahre im selben Betrieb gearbeitet haben, kriegen als Dankeschön vom Arbeitgeber einen Strauß Blumen überreicht, manchmal auch eine Flasche Wein. Bei Peter Frey ist die Belohnung etwas größer ausgefallen: Der 52-Jährige hat zum Dienstjubiläum gleich die Verantwortung für einen halben Fernsehsender geschenkt bekommen.

Im Dezember ist der bisherige Leiter des ZDF-Hauptstadtstudios zum neuen Chefredakteur des Senders gewählt worden, wenige Wochen bevor er im Januar seinen Einstand feiern konnte, der ein Vierteljahrhundert zurück liegt. Heute übernimmt Frey die Nachfolge von Nikolaus Brender, dessen Vertrag vom Verwaltungsrat auf Drängen des hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch nicht verlängert wurde - trotz vehementen öffentlichen Protesten.

Brender ist in dieser Zeit zum Star journalistischer Unabhängigkeit avanciert. Und Frey muss nun den ins Unermessliche gestiegenen Erwartungen gerecht werden - in einem Sender, bei dem immer erst gefragt wird, welcher politischen Richtung jemand "zugerechnet" wird bevor man sich dessen Namen merkt.

"Das ZDF ist nach den Ereignissen des vergangenen Jahres emotional wundgescheuert", sagt Frey. "Wir müssen ein Stück Glaubwürdigkeit zurückgewinnen." Wobei mit "wir" vor allem er selbst gemeint ist, von dem dieses Kunststück erwartet wird. Vielleicht wäre eine Flasche Wein oder ein Strauß Blumen stattdessen doch nicht so übel gewesen.

Frey ist der erste Chefredakteur, der seine journalistische Karriere innerhalb des Senders absolviert hat. Mitte der 80er fing er als Redakteur und Reporter beim "heute journal" an, berichtete aus Spanien, Polen, Mexico und Nicaragua. Er war Referent des ehemaligen Chefredakteurs Klaus Bresser und Korrespondent im Studio Washington. In Berlin half er, das "ZDF-Morgenmagazin" aufzubauen, ging zurück nach Mainz, um die Redaktion Außenpolitik zu leiten, und wieder nach Berlin als Chef des Hauptstadtstudios. Er moderierte "Berlin direkt" und stand regelmäßig für "heute" vorm Reichstag, um die politische Lage zu bewerten. Sein Lebenslauf liest sich wie eine unterschwellige Bewerbung zum Chefredakteur. Und doch merkt man Frey an, dass er sich schweren Herzens von der jetzigen Aufgabe trennt.

"Journalismus an der Front"

"Die letzten Jahre waren eine großartige Zeit. Ich weiß, dass ich das vermissen werde", sagt er über den "Journalismus an der Front" im Berliner Politbetrieb. Dabei war auch das anfangs eine Bewährungsprobe: "Ich habe das damals als journalistischen Neuanfang empfunden", erinnert er sich - weil die unmittelbare Nähe zur Politik ihre eigenen Spielregeln hat, die erst gelernt und verstanden werden müssen. "Als die große Koalition kam, war ich wieder mittendrin."

Bei "Berlin direkt" war Frey die Lust an der journalistischen Auseinandersetzung förmlich anzusehen. Im Interview mit Generalsekretären und Parteivorsitzenden gab es Momente, in denen er sich kaum zurückhalten konnte, sobald Gesprächspartner auszuweichen versuchten. Frey hat unterbrochen, nachgefragt und Widersprüche aufgezeigt, wie es von einem politischen Journalisten erwartet wird. Im Rampenlicht stand er eher selten.

Nur einmal, im vergangenen Sommer, gab es richtig Ärger, als sich Oskar Lafontaine im Sommerinterview von Frey zu hart angegangen fühlte und die Linke nachher gegen die angebliche Unfairness wetterte. Dabei hat Frey nur seinen Job gemacht.

"Sichtbarer Chefredakteur"

Auf dem Bildschirm wird Frey künftig nicht aber mehr so oft zu sehen sein. Er habe sich aber vorgenommen, im Programm präsent zu sein, als Kommentator und in der Fragesendung "Was nun?", die wieder regelmäßig auf Sendung gehen soll: "Ich will ein sichtbarer Chefredakteur sein."

Einer, der sich nicht scheut, eine eigene Meinung zu haben, ist er jetzt schon. Erstaunlich kritisch äußert sich Frey über das neue Nachrichtenstudio des ZDF, das im vergangenen Jahr wegen seiner ungewohnten Optik für Diskussionen sorgte: "Da wurde eine Menge Arbeit geleistet. Aber ich bin mit dem Resultat nur eingeschränkt zufrieden. Die Präsenz der Moderatoren hat im neuen Studio gelitten. Das dient nicht der Zuschauerbindung." Genau die will Frey wieder stärken und beim Publikum beliebte Moderatoren öfter außerhalb der Nachrichten einsetzen.

Nicht jedem im ZDF werden die Ankündigungen des neuen Chefs gefallen. Immerhin hat Frey so was wie eine inhaltliche Inventur der Eigenformate vor: "Jedes Programm muss sich streng prüfen lassen: Was unterscheidet es von anderen?" Nach einer leichteren Gangart als zuletzt unter Brender hört sich das nicht an. Dennoch kann dem ZDF gerade nichts Besseres passieren, als dass wieder über Inhalte geredet wird.

Autor:  Peer Schader
Datum:  31 | 3 | 2010
Kommentare:  Kommentieren
Empfehlen:  E-Mail
Leserbrief:  Leserbrief
Artikel:  Drucken
Theatertreffen 2012
Der Ausnahmefall: „Borkman“ an der Volksbühne.

Alles rund ums bedeutendste deutsche Theaterfestival, das Theatertreffen vom 4.-21. Mai 2012 in Berlin.

Anzeige

Film

Die Filmwoche: Was läuft wann in welchem Kino? Alle Neustarts, alle Filme, alle Kinos, alle Zeiten.

Medien
Das Fünf-Sterne-Hotel
Polen und Ukraine im TV 
Reinhard Mirmseker mit Manuela Wolf in der „Wernesgrüner Musikantenschenke“.
Korruption 
Twitter wird für den Erfolg von Kinofilmen immer wichtiger.
Soziale Netzwerke entscheiden über Kino-Erfolge 
Wie beliebt wir in den sozialen Netzwerken sind, hat immer mehr Auswirkungen auf das
Facebook, Twitter und Co. 
Theatertreffen

Video

Ressort

Kritiken und Nachrichten: Theater, Musik, Literatur, Film und Fernsehen


Oper
Ganz so schick wie bei den prominenten Vertretern unserer Spezies muss es dann doch nicht immer sein.

Hustenanfälle, Papierknistern, Opernglas ja oder nein - ein kleiner Ratgeber für den gelungenen Opernbesuch.

Quiz
Tatort-Logo

Seit 40 Jahren gibt's fast jeden Sonntag im Fernsehen Mord und Totschlag. Mit dem Tatort beweist das öffentlich-rechtliche Fernsehen immer wieder seine Leistungsfähigkeit. Was wissen Sie über die Krimi-Reihe? Testen Sie's!

Meistgeklickt
Sieger: Der zehnjährige Marco gewinnt das Finale von DSDS Kids. Moderator Daniel Assmann (l.) und DSDS-Kandidat Thomas Pegram freuen sich.
DSDS Kids: Das Finale 
Das DFB-Bundesgericht mit dem Vorsitzenden Goetz Eilers hat entschieden: Das Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC wird nicht wiederholt.
Kein Wiederholungsspiel zwischen Düsseldorf und Berlin 
 Mely Kiyak
Kolumne zum neuen Umweltminister 
 
 
 
 
 
 
 
 
World Press Photo
Das beste Pressefoto 2012: Eine jemenitische Frau hält einen verwundeten Verwandten in ihren Armen.

Beeindruckende Aufnahmen: FR-online.de präsentiert interaktiv die Pressefotos des Jahres.

Anzeige

FR-Serie

Erleben wir tatsächlich Umbrüche oder dramatisieren wir nur? Auf diese Frage suchen Wissenschaftler und Intellektuelle Antworten.

ANZEIGE
- Informationen finden, um die Main Metropole Frankfurt entdecken und erleben zu können.
- Fragen & Antworten
- Bei HOH finden Sie Hardware, Computer und aktuelle Software zu günstigen Preisen.
- Kauftipps!
Quiz
Dezember 2006.

Thomas Gottschalk hat sich bei "Wetten, dass..." verabschiedet. Er bewegt die TV-Nation. Testen Sie Ihr Wissen.