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Neues vom Krimimarkt: Killer, Kicks und Kommissare

Jeder vierte Roman, der im vergangenen Jahr über den Ladentisch ging, war ein Krimi. Kein Wunder also, wenn die Verlage dafür sorgen, dass den Fans der Lese-Stoff nicht ausgeht.

Spannend muss es sein, wenn es nach den deutschen Lesern geht.
Spannend muss es sein, wenn es nach den deutschen Lesern geht.
Foto: dpa

Hamburg (dpa) - Spannend muss es sein, wenn es nach den deutschen Lesern geht. Die Beliebtheit von Kriminalromanen jedenfalls wächst auffallend, wie das Börsenblatt in einer Extraausgabe jüngst berichtete.

Jeder vierte Roman, der im vergangenen Jahr über den Ladentisch ging, war demnach ein Krimi oder Spannungsroman. Kein Wunder also, wenn die Verlage dafür sorgen, dass den Fans nervenaufreibender Storys auch in diesem Herbst der Stoff nicht ausgeht.

So präsentiert sich eine Reihe der Starautoren mit neuen Thrillern: Tess Gerritsen aus den USA etwa will nach dem Heimaterfolg ihres neuen Krimis "Leichenraub" nun auch ihre deutschen Leser überzeugen. Dieses Mal gönnt sie ihrer Serienheldin Jane Rizzoli eine Pause und wendet sich dem beginnenden 19. Jahrhundert zu, in denen Forensik und moderne Medizin noch in den Kinderschuhen steckten.

Ihre ebenfalls Skalpell und Knochensäge schwingende Autorenkollegin Kathy Reichs hingegen lässt ihre Heldin, die Forensikerin Tempe Brennan, weiterhin in der Gegenwart ihre Arbeit tun, die im neuen Band "Der Tod kommt wie gerufen" grausig genug ist.

Nicht gerade zimperlich geht auch Bestsellerautorin Joy Fielding mit ihren Lesern um: In ihrem Roman "Die Katze" müssen sie tatenlos zusehen, wie sich eine junge Journalistin im Netz zweier sadistischer Psychopathen verfängt.

Einen raffinierten Plot hat sich wieder Mary Higgins Clark in ihrem Thriller mit dem beunruhigenden Titel "Warte bis du schläfst" ausgedacht. Die Grande Dame des amerikanischen Krimis lässt ihre Protagonistin auf der Suche nach dem verschollenen Bruder in die Falle eines skrupellosen Täters tappen.

Der Schwede Hakan Nesser, der Intellektuelle unter den Krimischreibern, hingegen legt "Eine ganz andere Geschichte" vor: Sein Inspektor Gunnar Barbarotti bekommt es mit einem besonders perfiden Killer zu tun, der einen nach dem anderen aus einer Gruppe Menschen umbringt, die Jahre zuvor einen Urlaub gemeinsam verbracht haben. Wie Gift tröpfelt das Böse in das Leben eines Detective ein, als er nach dem Mörder einer jungen Frau sucht: Auch in ihrem neuen Thriller "Verstummt" strapaziert die Amerikanerin Karin Slaughter die Nerven ihrer Leser auf das Äußerste.

Aus Island kommt der "Todesgott" von Arni Thorarinsson, ein Thriller um den eigenbrötlerischen Journalisten Einar, der in der vermeintlich idyllischen Provinz menschliche Abgründe entdeckt. Bezeichnend für Thorarinssons Romane sind die realistischen Schilderungen der isländischen Gesellschaft.

In Finnland und Schweden stand Monika Fagerholms Spannungsroman "Das amerikanische Mädchen" über Monate an der Spitze der Bestsellerlisten. Mit verstörender, subtiler Kraft erzählt die Skandinavierin von einer Reihe rätselhafter Todesfälle rund um einen Moorsee. Mit russischer Seele, aber auch mit einem scharfen Blick auf die Realitäten in ihrem Land schreibt die beliebteste russische Krimiautorin Polina Daschkowa ihre Bücher. Mit dem neuesten "Das Haus der bösen Mädchen" fasst sie heiße Eisen an: die der Kinderprostitution und der kriminellen Verflechtungen bis in einflussreiche Kreise hinein.

Commissario Montalbano, der Held im neuen Italo-Krimi von Andrea Camilleri, hat es hingegen mit Verbrechen unter der heißen sizilianischen Sonne zu tun. Die steigt ihm in "Die schwarze Seele des Sommers" zu Kopf, als er nach einem verschwundenen Urlauber fahndet.

Deon Meyer, Star unter den südafrikanischen Krimiautoren, verbindet in "Weißer Schatten" eine spannende Geschichte über Waffenhandel, Umweltaktivismus und militärische Machenschaften mit der Geschichte seines Landes. Währenddessen gibt es in Esmahan Aykols neuem Istanbul-Krimi "Scheidung auf Türkisch" ein Wiedersehen mit der deutschen Buchhändlerin Kati Hirschel, die dem Mord an einer schönen Industriellengattin nachgeht.

Kaum auf dem Markt, soll Thierry Jonquets faszinierender Thriller "Die Haut, in der ich wohne" bereits von Spaniens Star-Regisseur Pedro Almodovar verfilmt werden. In der Tradition des roman noir webt der französische Krimiautor ein bedrohliches Netz, in dem sich seine Figuren miteinander verfangen. Das Aufeinandertreffen eines Täters mit dem Hinterbliebenen seiner Opfer bildet die Klammer in Massimo Carlottos außergewöhnlichen Psychothriller "Die dunkle Unermesslichkeit des Todes". Der Italiener ist nicht nur als Autor sehr bekannt, sondern weiß um derartige Konflikte aus persönlicher Erfahrung: Als Anhänger der extremen Linken wurde er einst trotz Mangel an Beweisen wegen Mordes verurteilt.

Als Paradebeispiel schwarzen Humors bewirbt der Verlag den skurrilen Krimi "Cliffhanger" von Tom Binding, in dem es um einen fehlgeschlagenen Gattinnenmord und seine überraschenden Folgen geht. Mit dem fesselnden Psychothriller "Ich. Bin. Eine. Mörderin" stellt sich Claudia Cornelsen erstmals als Romanautorin vor, nachdem sie als Ghostwriterin Dutzende Bücher über Wirtschaft und Geschichte geschrieben hat. Sie erzählt von einer jungen Frau, die man des Mordes an ihrem Zwillingsbruder bezichtigt und für Jahre in der Psychiatrie eingesperrt hat, bis sie eine Chance auf Rache wittert.

Der Friedrich-Glauser-Preisträger Bernhard Jaumann schließt mit "Die Augen der Medusa" seine Trilogie um das italienische Dorf Montesecco ab, in dem er mit Mafia und Medienmacht abrechnet. Wilhelm Gossec, Münchner Trödelhändler und zum dritten Mal Held in einem Krimi von Max Bronski, erlebt als Leih-Nikolaus einen Bankraub, Kokainhandel und Spendenunterschlagungen in der Welt der Reichen und Schönen. Nach "München Blues" und "Sister Sox" wird auch Bronskis "Schampanninger" Beifall bei Krimilesern jenseits des Weißwurstäquators finden.

Henning Boetius Kunstfigur, der holländische Kriminalinspektor Piet Hieronymus, ist trotz seiner 60 Jahre wieder im Einsatz, der ihn in dem Krimi "Berliner Lust" allerdings in tödliche Gefahr bringt. Der Medienstar und Wahlfranzose Ulrich Wickert hat sich in seinem neuen Krimi "Der nützliche Freund" einen neuen Fall für den Untersuchungsrichter Jacques Ricou ausgedacht. Dieses Mal schickt er seinen Protagonisten in einen Sumpf aus Verrat und politischen Intrigen, in dem seine Freundin Margaux zu ersticken droht.

Datum:  22 | 9 | 2008
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