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In wenigen Wochen droht ihnen die Abschiebung, doch bevor sie in ihr Herkunftsland zurück müssen, können die Kandidaten der Show "Raus aus den Niederlanden" noch einen Koffer mit Geld gewinnen. Mit ihrem Wissen über das Land, das sie nicht will.
4000 Euro können die Kandidaten der Quiz-Show "Raus aus den Niederlanden" gewinnen. Im Vergleich zu anderen Rate-Shows sicher nicht viel, aber nach Meinung des Senders VRPO eine "hübsche Summe", für jemanden, der die Niederlande in Kürze verlassen muss. Tatsächlich sollen alle fünf Kandidaten der Show binnen weniger Wochen in ihr Heimatland abgeschoben werden. Dem Studenten der Luftfahrttechnik droht die Abschiebung nach Kamerun, ein Slawistik-Student muss nach Tschetschenien zurückkehren. Zuvor stellen sie sich aber noch im grell-pinkfarbenen Fernsehstudio, den Fragen des Moderators. Zum niederländischen Königshaus, zu Künstlern und zur Geschichte des Landes. Der Gewinner darf dann winkend mit dem gewonnenen Geldkoffer in der Hand in ein Flugzeug steigen.
"Die Realität ist noch schrecklicher"
Am Donnerstagabend soll die Show zur Primetime im dritten Programm laufen, doch schon jetzt ist auf der Internetseite des verantwortlichen Senders VPRO eine Diskussion entbrannt. "Geschmacklos" wettern die einen, "Skandal", "ein Tiefpunkt", meinen andere. Für bare Münze scheint immerhin keiner der Kommentatoren die makabre Satire zu nehmen.
"Ja, die Show ist grausam und schrecklich", sagte VPRO-Chefredakteur Frank Wiering FR-Online. "Aber die Realität ist noch viel schrecklicher." In den Niederlanden lebten derzeit 15.000 Kindern von Asylbewerbern, 2000 von ihnen länger als acht Jahre. "Das sind Niederländer." Viele von ihnen seien hoch gebildet hätten in den Niederlanden studiert oder gingen hier zur Schule. Auf ihre Situation wolle die Show vor allem aufmerksam machen. Daher habe der Sender eng mit der Nichtregierungsorganisation "Defence for Children" zusammengearbeitet, die sich für die Rechte von Kindern einsetzt. Sie habe auch die Kandidaten vermittelt.
"Unsere Kandidaten wissen genau, worauf sie sich einlassen", sagte Wiering. Sie seien mit der niederländischen Medienlandschaft bestens vertraut. Alle Teilnehmer seien sich voll bewusst gewesen, was mit ihrer Teilnahme in der Show auf sie zukomme.
Parallele zu anderer Fake-Show
Aber ist eine Satire-Show überhaupt ein adäquates Mittel, um auf die Situation von Asylbewerbern aufmerksam zu machen? Immerhin schaffe man so Aufmerksamkeit für das Thema, meint Wiering.
Die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl ist da skeptisch. "Die Show ist vielleicht gut gemeint, aber nicht gut gemacht", sagte Karl Kopp von Pro Asyl FR-Online. Die Satire-Show könne doch zu leicht zynisch auf Betroffene wirken, die sich vielleicht in den ja real von Abschiebung betroffenen Kandidaten wiederfinden. "Ich habe jedenfalls große Zweifel, ob dieses provokative Format tatsächlich sein Ziel, Gesellschaft und Politik über die Situation der von Abschiebung bedrohten Menschen aufzuklären, erreicht."
In den Niederlanden hatte ein anderer bereits vor vier Jahren versucht, mit einem ganz ähnlichem Konzept mehr Menschen für das Thema Organspende zu informieren. Als der Sender BNN 2007 ankündigte, in seiner "Großen Spendershow" würden Todkranke um eine Niere spielen, empörten sich Zuschauer, Politiker und Medien national wie international über das Konzept. Bis sich dann herausstellte, dass die ganze Show ein Fake war, ein PR-Trick, um Bewusstsein für den Mangel an Organspenden zu schaffen. Die Show hatte Erfolg. Vier Wochen nach der Show hatten sich laut niederländischen Gesundheitsministerium 12.000 neue Organspender registrieren lassen. Gewöhnlich melden sich in diesem Zeitraum zwischen 3000 und 4000 neue Spender.