Guten Morgen, wie geht es Ihnen, bitte bleiben Sie dran, gleich kommt etwas ungemein Interessantes: Das sind doch mal gute Neuigkeiten. Simone Vollenweider singt diese freundliche Satire auf zeitgenössisches Hörfunkgerede ganz berückend in lupenreinem Radio-Englisch, dazu spielt Nils Wograms Band "Lush". Wogram selbst steuert ein sanft intoniertes, biegsames, schnelles und völlig unprätentiöses Posaunensolo bei, dem man noch viel länger zuhören könnte, es folgt ein flüssig-eckiges Solo am E-Piano, wir befinden uns mitten im sambasanften Jazzrock des frühen Chick Corea der Return-to-Forever-Zeit. Nur dass der keinen solchen Posaunisten dabei hatte, woher auch.
Kein Problem jedenfalls, hier nicht abzuschalten. Wir bleiben dran und hören auch das nächste Stück, das wieder mit einem dieser atemberaubend gut gespielten,reichhaltigen Posaunensoli aufwartet, dass man fast die musikalische Umgebung vergessen könnte. Denn die bleibt absichtsvoll in den poppigen Siebzigerjahren. Allerdings nicht auf rückwärts gewandte Weise, sondern geistreich und voller Klangsinn.
Pretty Good News. Unit Records www.unitrecords.com
Wie schon bei der letzten Wogram-CD, die den Bebop mikrointervallisch anreicherte, handelt es sich hier um eine eigenwillige Art historischer Aufführungspraxis. Einerseits verbeugt sich Lush vor einer Stilistik, von der man vieles Schöne lernen konnte, andererseits verbiegt die Band im Aneignungsprozess die Tradition so kunstvoll, dass es eine reine Freude ist, wie hier Geister aufeinander prallen. H.L.
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