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28. Oktober 2012

Nofretete: Kassiber aus dem Gottesstaat

 Von Christian Thomas
Vor 3300 Jahren entstanden und vor 100 wiederentdeckt: die Büste der Nofretete.  Foto: Getty Images

Vor hundert Jahren wurde die Nofretetebüste in einer abgelegenen Region am Nil entdeckt - kurze Zeit später kam sie nach Berlin. Das Ägyptische Museum feiert das Jubiläum Anfang Dezember mit einer Sonderausstellung.

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Vor hundert Jahren wurde die Nofretetebüste in einer abgelegenen Region am Nil entdeckt - kurze Zeit später kam sie nach Berlin. Das Ägyptische Museum feiert das Jubiläum Anfang Dezember mit einer Sonderausstellung.

Da Nofretete, hieß es am Sonnabend sehr lakonisch, „sich nicht bewegt, muss eben die Ausstellung zu Nofretete kommen.“ Wie eine Einlegearbeit aus gleißendem Weißgold stand die Sonne am Himmel über Berlin, während im Depot des Ägyptischen Museums Friederike Seyfried ein Überbleibsel in die Hand nahm, eine blau bemalte Keramikscherbe, darin fein ziselierte Intarsien, ein ägyptisches Blatt, eine ägyptische Ente. Auch sie, Bruchstücke bloß, werden, wie die Direktorin des Ägyptischen Museums der Staatlichen Museen zu Berlin ankündigte, die große Nofreteteausstellung, Anfang Dezember, bereichern. Sogar „Granitbrösel“ werden unter den 600 Objekten sein, denen Seyfried und die Experten so viel Vertrauen geschenkt haben, dass sie von insgesamt etwa 5500, die in den Depots lagern (schlummern, ja, wahrscheinlich), in die Ausstellung Eingang finden werden.

100 Jahre Fund der Nofretete

„Im Licht von Amarna. 100 Jahre Fund der Nofretete“ wird die Schau auf der Museumsinsel heißen, und selbstverständlich wird ein jedes Element um die Nofretetebüste kreisen, gleich Satelliten um etwas noch Anziehenderes, wie Sterne, die dann doch nicht selbstständig genug sind, obwohl ein jeder, für sich betrachtet, nur schön ist. Frau Seyfried, während sie ein kleines Mischwesen, einen Dämon in ihre Hand, die in einem weißen Handschuh steckte, nahm, sprach vom tieferen Sinn von Kleinigkeiten.

Was in Amarna vor 3300 Jahren entstand und vor hundert Jahren wiederentdeckt wurde an Alltagsgegenständen, vor allem aber an Kultobjekten, was unter Ägyptern unter der Hand heimlich weitergereicht oder (auch heimlich) in einem Winkel der Wohnung verehrt wurde, korrigiert die These vom so perfekten wie totalitären Sonnenstaat des Echnaton und seiner Gemahlin Nofretete. So anmaßend der Sonnenkult des Echnaton, so rücksichtlos seine religiöse Revolution, so beängstigend die Errichtung seines Gottesstaats, um 1340 v. Chr., für etwa 15 Jahre – so deutlich die Spuren individueller Opposition.

Echnaton wollte nur den einen Gott, Aton, angebetet wissen, und mit ihm sich selbst. Im gleißenden Licht von Amarna sollten die vielen Götter Ägyptens ausgelöscht werden. Am Sonnabend, im Museumsdepot, lagen die Dokumente echt auf der Hand. Die Nofretete-Schau, mit ihren Bruchstücken und Resten, wird sich auch, welch’ eine Neuigkeit, aus Kassibern zusammensetzen. Es sind keine Hieroglyphen.

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