Das Angebot, das hinter dem Wort "interaktiv" steckt, ist wie immer letztlich ernüchternd. Dass "Hope" das "Interaktiv-Musical einer neuen Generation" ist, heißt Folgendes: Das Parkett der Frankfurter Jahrhunderthalle wurde für die Deutschland-Premiere mit weißen Spezialstühlen aus Plastik ausgestattet. Schlägt man auf die geschlossene Vorderseite, entsteht mittels darin montierter, offenbar nur durch winzige Abstände voneinander getrennter Platten ein schnarrendes Geräusch. Für die hinteren Reihen wurden kleine Rasseln ausgeteilt.
"Interaktiv" bedeutet nun, dass die Zuschauer während des Musicals trommeln und rasseln dürfen, bitte aber nur dann, wenn die "Profis" sie dazu auffordern. Die Profis sind eine Art Flugbegleitercombo, die ab und zu auftaucht und zeigt, was zu tun ist (zu trommeln und zu rasseln nämlich). Diese Einschränkung ist eine Art Musikunterrichtselement, das mit Fortschreiten des dreieinhalbstündigen Geschehens aber zunehmend unterlaufen wird. Denn Spaß macht es schon, auf einer Trommel zu sitzen. Im Foyer sind auch pastellfarbene Kindermodelle im Angebot.
"Hope" handelt vom vergangenen US-Präsidentschaftswahlkampf, von dem Aufstieg Barack Obamas, aber mehr noch von der "Yes, we can"-, "Change"- und eben "Hope"-Bewegung in der Bevölkerung, die seinerzeit zur höchsten Wahlbeteiligung seit hundert Jahren führte. Das ist gewiss eine Musical-geeignete Situation, auch wenn die Realität das Musical-Glück seit genau einem Jahr eingeholt hat. Und auch wenn das Musical-Glück nur ein Abglanz damaliger Hoffnungen ist, obwohl sich die Darsteller wacker bemühen, Stunde um Stunde so aufgeregt, hoffnungsvoll und glücklich zu sein, wie nur irgend möglich.
Der Nachgeschmack ist also zwangsläufig schal, aber die Stimmung gut. Noch lieber als trommeln wollen die Menschen von den weißen Spezialsitzen aufspringen vor Begeisterung. Am besten funktionierte das bei dem Song "Ive got a Feeling". Der Aufbau entspricht einem pädagogisch einigermaßen ehrgeizigen Schulbuch für den Gemeinschaftskunde-Unterricht.
Ein fröhlicher Deutscher namens Michael übersetzt, erläutert und ist immer tüchtig gespannt darauf, wie es weitergehen wird. Eine Hausgemeinschaft in Chicago repräsentiert die Sorgen und Nöte des durchschnittlichen amerikanischen Volkes, wobei das groteskerweise zunächst zu einem längeren Song über die Annehmlichkeiten eines Wellness-Tages führt. Ansonsten aber geraten die Bewohner in die Arbeitsmarkt- und Finanzkrise. Die Söhne sind im Irak, einer wird als verschollen gemeldet. Rassismus ist vorhanden, wird aber im Laufe des Abends überwunden.
Barack Obama - in einen hübschen Musicalhelden verwandelt - ist als sozial engagierter Sympath zu sehen, aber auch im Liebesduett mit Michelle, welche wiederum nachdenklich erst den Scheinwerfer, dann ihre Mutter ansingt: Wird sie als First Lady bestehen können? Wird sie schon, singt die vernünftige Mutter.
Auch wenn der Produzent und Regisseur der Unternehmung, Roberto Emmanuele, vorher immer wieder darauf hinwies, dass das alles nicht politisch, sondern rein menschlich zu verstehen sei, kann sich Barack Obama zu diesem Stück nur beglückwünschen. Selbst die nahestehendste Gegnerin, Hillary Clinton, ist eine Karikatur ihrer selbst und singt ein Lied, aus dem hervorgeht, dass sie keinen Plan hat und dass sie das nicht stört.
Die Grenze des Frohsinns wird deutlich, als einer der Söhne - just nach Obamas Wahlsieg aus dem Irak zurückgekehrt, als wende sich sofort alles zum Guten - beiseite sagte, er denke, nun werde der Krieg bald vorbei sein. Der optimistische Übersetzer erwähnt das nicht, was sollte er dazu auch sagen. Das Publikum tut nichts lieber als sich mitreißen zu lassen
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