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27. April 2013

Oper Berlin: Plötzlich gibt es Richtungen

 Von Peter Uehling
Dieses Jahr wird das Staatsopern-Stammhaus nicht fertig, wie zunächst geplant. Nächstes Jahr auch nicht und dann sieht man weiter.  Foto: imago/IPON

Lange wollten sich die drei Berliner Opern nicht auf bestimmte Repertoires konzentrieren, jetzt aber doch. Mit den Premieren der Saison 2013/14 schieben die Intendanten ihre Häuser sehr entschieden in verschiedene Richtungen.

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Es gab Zeiten, da wollte die Politik, wenn sie schon keines der drei Opernhäuser schließen durfte, die Intendanten wenigstens auf bestimmte Repertoire-Ausschnitte und Profile verpflichten. Ausgerechnet die Deutsche Oper mit dem größten aller Säle sollte sich verstärkt um das schlecht besuchte Zeitgenössische verdient machen. Der entsprechende Versuch wurde von den Zuschauern damals brüsk abgelehnt. Umso auffälliger, dass die nun amtierenden Intendanten ihre Häuser zumindest mit den Premieren der Saison 2013/14 sehr entschieden in verschiedene Richtungen schieben.

Ausgerechnet Daniel Barenboims Repräsentationstheater, die Staatsoper, wird im vierten und keinesfalls letzten Jahr im Schiller-Theater fast ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts präsentieren. Jürgen Flimm, nach seinem Schlaganfall im März wieder in bester Laune, stellte die Spielzeit vor: Eröffnet wird mit der 1899 entstandenen „Zarenbraut“ von Rimsky-Korsakow, es folgen Meisterwerke der Zehner und Zwanziger Jahre wie Strawinskys „Sacre du Printemps“ in der Choreografie von Sasha Waltz, Janaceks „Katja Kabanowa“ in einer Brüsseler Produktion von Andrea Breth und Weills „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“. Vincent Boussard wird dieses Stück inszenieren, Christian Lacroix die Kostüme dazu schneidern – ein Kontrastprogramm zu Händels „Agrippina“, die von den beiden einst so festlich arrangiert wurde.

Komische Oper spielt Trumpf aus

Mit Morton Feldmans „Neither“ und Salvatore Sciarrinos „Macbeth“ schließt die Saison mit Werken des späten 20. Jahrhunderts. Verdi und Wagner, die Jubilare des Jahres 2013, werden mit „Il Trovatore“ mit Placido Domingo und Anna Netrebko und einem von Sasha Waltz inszenierten „Tannhäuser“ abgefeiert.

Im früher so hochkarätigen Barocksegment hat die Staatsoper in der nächsten Saison nur Wiederaufnahmen zu bieten. Die Komische Oper spielt dagegen mit der ersten Rameau-Oper auf einer staatlichen Berliner Opernbühne einen Repertoire-Trumpf, auch wenn Koskys Inszenierung von „Castor et Pollux“ schon in der English National Opera London gelaufen ist. Von einer neuen „Cosí fan tutte“ abgesehen setzt auch Koskys Spielplan auf das 20. Jahrhundert – allerdings in größter stilistischer Breite: Da gibt es die gute alte Oper mit Brittens „Sommernachtstraum“ und Prokofjews „Feurigem Engel“, Nico Dostals Operette „Clivia“, Bernsteins Musical-Klassiker „West Side Story“, aber dann auch eines der wuchtigsten Stücke der Moderne, Bernd Alois Zimmermanns „Soldaten“, deren ausladende Partitur in den 60er Jahren allenthalben für unaufführbar gehalten wurde; Calixto Bieito wird inszenieren. Mit Philip Glass’ „Les enfant terribles“ klingt die Saison minimalistisch aus.

Bislang ist Kosky mit seinem bunten, risikofreudigen Programm relativ erfolgreich; spektakuläre Produktionen wie sein Monteverdi-Zyklus oder die verspielte Video- „Zauberflöte“ haben im Winterhalbjahr immerhin eine Auslastung von knapp 75 Prozent eingebracht – im Vergleich zu den Saisondurchschnitten der Vorjahre eine Steigerung von zehn Prozent.

Gedämpfte, weil unklare Erwartungen

Jürgen Flimm füllte das kleine Schiller-Theater samt noch kleinerer Werkstatt zu 88 Prozent, Dietmar Schwarz die große Deutsche Oper und die stets ausverkaufte Tischlerei zu imposanten 80 Prozent. Zwar war auch Lachenmanns „Mädchen mit den Schwefelhölzern“ immer ausverkauft, ansonsten hat Schwarz diese Auslastung mit Repertoire aus dem 19. Jahrhundert erreicht, und das ist in der kommenden Saison ähnlich: Nichts gegen Donizettis „Liebestrank“, Verdis „Nabucco“ oder „Falstaff“, zumal, wenn ihn Christof Loy inszeniert – aber neugierig klingt das nicht.

Die Konzertoper „Fausts Verdammnis“ in szenischer Fassung setzt zwar den mit den „Trojanern“ begonnenen Berlioz-Zyklus fort – tritt aber den alten Götz Friedrich-Getreuen auf den Schlips, die sich noch an dessen Inszenierung aus den 80er-Jahren erinnern. Mauricio Kagels „Himmelsmechanik“ von 1965 in einer Fassung des Berliner Künstlernetzwerks „phase 7“ weckt gedämpfte, weil unklare Erwartungen. Brittens „Billy Budd“, inszeniert von David Alden, immerhin ist eine Berliner Erstaufführung.

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