Die Berliner wollten ihn unbedingt, die Stuttgarter ebenso, aber Bernd Loebe bleibt der Oper Frankfurt auch in den nächsten neun Jahren als Intendant erhalten. Über 2013 hinaus bis 2018 soll der gebürtige Frankfurter bleiben, besagt der neue Vertrag, den der Chef der Frankfurter Oper in Händen hält. Kulturdezernent Felix Semmelroth verkündete die "frohe Botschaft" gestern mit einer gewissen Genugtuung. Dass Berlin diesmal mit Abwerbversuchen scheiterte, lässt ihn nach dem Suhrkamp-Abzug doch erleichtert aufatmen.
Als Dankeschön für die Treue erhält Loebe eine halbe Million Euro mehr, um das Frankfurter Museumsorchester auf A-Orchester-Niveau zu halten. "Immer mehr junge Musiker wandern uns nach Karlsruhe ab, wo sie genauso viel verdienen, aber das Leben nicht so teuer ist", sagt Loebe. CD-Einspielungen mit dem Chor kann Loebe künftig "ohne zu betteln" aus einer 300 000 Euro Medienpauschale bestreiten, nicht zuletzt stockt die Stadt das Opernbudget 2010 um eine Million Euro auf. "Solche Rahmenbedigungen und so ein Vertrauensverhältnis findet man so schnell nicht wieder." Die Stadt sehe durchaus den Imagegewinn, den die Oper auf diesem Niveau bringe.
Das verbindet - wie das freundschaftliche Klima in der Oper selbst: "Es ist schon schön, wenn einen fremde Leute ansprechen und sagen, dass man bleiben soll." Der 57-jährige Loebe, der Rechtswissenschaften studierte, hat sich den guten Stand hart erarbeitet. 2002/2003 trat er sein Amt in "wirren Zeiten" und drastischer Rotstiftpolitik an. Inzwischen hat er etliche Titel als "Oper des Jahres" für Frankfurt errungen und pro Spielzeit sieben bis acht Neuproduktionen zu bieten.
Und nicht nur Mainstream: Zeitgenössische Musik, selten gespielte Opern - "ich kann visionär arbeiten, kann alles machen, muss aber nichts machen." In diesem Sinne will er mit Regisseuren wie Claus Guth, Christof Loy, Keith Warner und Richard Jones weiter zusammenarbeiten.
Und neben Generalmusikdirektor Sebastian Weigle sollen auch künftig namhafte Dirigenten wie Kirill Petrenko, Bertrand de Billy, Nicola Luisotti oder Constatinos Carydis am Pult stehen. Die Oper solle auch Sprungbrett für junge Talente bleiben. "Das Blut wird jedes Jahr aufgefrischt. Und ich trau mir zu, noch ein paar Pflöcke einzurammen, dass niemand es wagt, bei der Opern zu kürzen.
(ana)
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