Es ist schon kurios: Da verdoppelt die Academy die Anzahl der für den Hauptpreis vorgeschlagenen Filme auf zehn Nominierungen. Und doch sind acht von ihnen beinahe schon vergessen. Entweder, so scheinen sich nahezu alle Branchenbeobachter einig, gewinnt James Camerons 500-Millionen-Dollar-Spektakel "Avatar". Oder der meisterhafte Irakkriegs-Thriller "Tödliches Kommando" macht das Rennen, ein Film, der eine - für Hollywood-Verhältnisse - bescheidene Summe von 15 Millionen Dollar kostete und ausgerechnet von Camerons Ex-Frau Kathryn Bigelow inszeniert wurde.
Beide Filme sind auf ihre Art außergewöhnlich. Und obwohl der erste auf einem phantastischen Planeten spielt und der zweite in einem zur Unkenntlichkeit zerbombten Teil der Erde, haben sie viel gemeinsam: Beide Filmemacher, die sich auch nach ihrer Scheidung im Jahre 1991 verbunden blieben - 1995 entstand Bigelows "Strange Days" nach einem Drehbuch von James Cameron - verstehen ihre Arbeiten politisch.
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Camerons "Avatar" ist eine kaum verschlüsselte Warnung vor den Folgen der ausbeuterischen Globalisierung. Und Bigelows Drama liefert die fehlenden Bilder für den weithin unsichtbar gebliebenen Irakkrieg, sie heroisiert soldatischen Opfergeist und lässt doch keinen Zweifel an der Sinnlosigkeit der Entsendung dieser Soldaten. Dass ihr Film nur kurz im Kino zu sehen war und gerade einmal eine Million mehr in die Kassen einbrachte, als er kostete, wird nicht als Makel ausgelegt. Die Amerikaner waren das Thema eben einfach leid.
Egal wie der Wettkampf der Filme ausgeht, eines scheint für die Verleihung in der Nacht zu Montag sicher: Kathryn Bigelow wird als erste Frau in der Geschichte einen Oscar für die beste Regie erhalten. Einmal, weil sie bereits von der Regisseurs-Gilde mit dem Jahrespreis geehrt wurde - deren Entscheidung fast immer übernommen wird. Und zum anderen, weil Bigelow Hollywood im Glauben an die universelle Wirkungsmacht des eigenen Handwerks bestätigt. Ihr Film ist nicht künstlich, sondern kunstvoll: Die genau beobachteten Details aus dem Alltag eines Bomben-Entschärfers sind in spannungsvollen Montageszenen festgehalten - auch in der Kategorie Schnitt hat ihr Film die besten Chancen.
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