Seine Auftritte haben es in sich. Wenn der Kroate die Bühne erobert, umjubelt von frenetischen Anhängern und überwacht von Polizeibeamten in Zivil, die sich unter das Publikum gemischt haben, zieht er meist ein überdimensionales Schwert, rammt es in den Bühnenboden und donnert ein martialisches "Za dom spremni" (Fürs Vaterland bereit) in Richtung seiner Jünger: Sänger Marko Perkovic, der sich nach der Maschinenpistole, mit der er im Kroatienkrieg kämpfte, "Thompson" nennt, ist kein unauffälliger Vertreter seiner Zunft.
Auch verbal schwingt er gern die große Keule: "Antichristen, Freimaurer und Kommunisten" würden "satanische Verse" verbreiten, heißt es im Lied "E, moi narode" (Oh, mein Volk). In "Geni kameni" (Gene aus Stein) huldigt er einem rassisch-völkischen Ideal, schwärmt von Kindern mit "blauem Blut" und "weißen Gesichtern". Und im Song "Kletva kralja Zvonimira" (Der Fluch des Königs Zvonimir) heißt es: "Sie haben unsere Träume verkauft, die Söhne Judas, pures Gold warfen sie in den Dreck." Liedgut der eindeutigen Art.
Ungewohnt dezent, in dunklem Zwirn, weißem Hemd und Krawatte, absolvierte der Balkan-Barde hingegen am Mittwoch vergangener Woche einen ganz anderen Auftritt. Perkovic, dem Kritiker Sympathien für das faschistische Ustascha-Regime nachsagen, das im Zweiten Weltkrieg Massenverfolgungen auf dem Balkan organisierte, war im Vatikan zu Gast, traf Papst Benedikt und überreichte dem Katholiken-Oberhaupt eine CD-Kollektion. Natürlich waren es Aufnahmen seiner Lieder.
Eine "private Audienz" sei es gewesen, lässt Perkovic in kroatischen Zeitungen und auf seiner Internetseite stolz und mit Fotos untermauert vermelden. Auch wenn Bildhintergrund sowie Wochentag eher auf die immer mittwochs und bisweilen in der vatikanischen Audienzhalle abgehaltene Generalaudienz hindeuten: Die Aufnahmen, die Perkovic und den Papst im Gespräch zeigen, sind Realität. Der Imageschaden für den Vatikan auch.
Denn es gibt Orte, wo der Sänger weniger willkommen ist. Die Schweiz gehört dazu. Eidgenössische Sicherheitsbehörden verhängten unlängst ein dreijähriges Einreiseverbot, weil Perkovic eine "Gefahr für die nationale Sicherheit" sei. Ein für den 3. Oktober in Kriens bei Luzern angesetztes Konzert musste deshalb abgesagt werden. Auch in den Niederlanden und sogar in Istrien wurden Auftritte verboten.
Die Urteile über den Sänger sind eindeutig. Der österreichische Verfassungsschutz bewertet manche seiner Songs als "stark nationalistisch, neofaschistisch und militaristisch", das Zentrum für Antisemitismusforschung an der TU Berlin wirft ihm die Verbreitung einschlägiger Klischees vor.
Auch in Kroatien selbst wird Perkovic kritisiert. "Eine Sprache des Hasses" finde sich in seinen Songs, dies sei "unvereinbar mit den Errungenschaften des Christentums", heißt es etwa aus dem Balkanland. Das vernichtende Verdikt haben Glaubensbrüder des Papstes formuliert: Auch die Mitglieder der kroatischen Bischofskonferenz sind keine Perkovic-Fans.
Und selbst die nationalkonservative "Vecernji list", auflagenstärkste Tageszeitung in Kroatien, sucht seit dem vergangenen Jahr die Distanz. Das Blatt, das bis dahin bei Konzerten des Sängers als Medienpartner auftrat, beendete die Zusammenarbeit, weil Perkovic sich von Zuschauern, die bei seinen Auftritten demonstrativ Ustascha-Symbole zeigten, nicht distanziert habe.
Die Fotos von Perkovic und dem Papst kommen zur Unzeit. Das Verhältnis zwischen der Katholischen Kirche und der kroatischen Staats- und Regierungsführung ist derzeit belastet, nachdem in der katholischen Wochenzeitung "Glas koncila" (Stimme des Konzils) Staatspräsident Stjepan Mesic wegen seiner geheimen Zeugenaussage vor dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag als "großer Verräter" bezeichnet und seine psychische Gesundheit angezweifelt wurde.
Zudem kritisierten katholische Würdenträger den Präsidenten, als er in diesem Jahr die Forderung erhob, die in Kroatien in öffentlichen Gebäuden allgegenwärtigen Kruzifixe zu entfernen. Auch um das Verhältnis zwischen Klerus und Staatsführung zu entkrampfen, war Mesic am Donnerstag vergangener Woche beim Papst zu Gast - einen Tag nach seinem Landsmann. Dafür in einer Privataudienz.
Die Geschichte ist als Mehrteiler angelegt. Wenn der Sänger aus Italien zurück sei, würden weitere Details über das Treffen mit dem Papst mitgeteilt, heißt es auf der Perkovic-Homepage. Im Vatikan könnte man das als Drohung auffassen.
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