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Personalkarussell: Der Betrieb kocht

Es hat immer alles mit allem zu tun, besonders im Stadttheaterbetrieb, der klein genug ist, dass fatalerweise jeder mit jedem irgendwann zu tun bekommt, aber doch auch groß genug, um Raum für fiese Ranküne und wilde Spekulationen zu schaffen.

Regisseur: Herbert Fritsch.
Regisseur: Herbert Fritsch.
Foto: dapd

Es hat immer alles mit allem zu tun, besonders im Stadttheaterbetrieb, der klein genug ist, dass fatalerweise jeder mit jedem irgendwann zu tun bekommt, aber doch auch groß genug, um Raum für fiese Ranküne und wilde Spekulationen zu schaffen. Was für ein herrlicher Schauplatz der Eitelkeiten! Wie gut eignet er sich für Balz- und Bolzspiele unter wichtignehmerischen Artgenossen! Naturgemäß besonders immer dann, wenn es um Personalien geht.

All dies lässt sich derzeit wieder feinstens beobachten. Der Betrieb kocht, die Gerüchteküche dampft wie lange nicht mehr. Wird Herbert Fritsch Intendant am Berliner Maxim-Gorki-Theater? Wer folgt auf Sebastian Hartmann am Leipziger Centraltheater? Will überhaupt wer nach Leipzig? Solche Fragen zu stellen! Und welch’ irre Folgen das haben kann! Die Süddeutsche Zeitung hat sich jetzt zum Beispiel eine Unterlassungsklage eingehandelt. Hui, das hatten wir lange nicht.

Hoher Lehr- und Unterhaltungswert

Folgendes geschah: Armin Petras will ab 2013 nicht mehr das Maxim-Gorki-Theater, sondern lieber das Schauspiel zu Stuttgart leiten, und Sebastian Hartmann will ebenfalls 2013 von Leipzig fort, noch weiß man nicht, wohin es ihn zieht. Der Intendantenposten am Gorki gehört jedenfalls zu den begehrtesten in deutschen Bühnenlanden, weil Berlin ein wunderbar theaterprallvoller Ort und der stadtinterne Intendantenwettkampf mit Herren wie Claus Peymann (Berliner Ensemble) oder Frank Castorf (Volksbühne) für alle Beteiligten stets von hohem Lehr- und Unterhaltungswert ist.

Leipzig dagegen ist ein, nun ja, schwieriges Bühnenpflaster. Die Sachsen gefallen sich als Kunstmuffel, was Hartmann mit seinem ästhetisch anspruchsvollen Programm per Publikumsliebesentzug zu spüren bekam; und die lokale Kulturpolitik tut viel, um ihrem Inkompetenzruf gerecht zu werden. Der Freundeskreis des Theaters sah sich jetzt zu einem offenen Brief an Oberbürgermeister Burkhard Jung genötigt, mit der dringenden Bitte, man möge sich endlich um die Hartmann-Nachfolge kümmern. Es bestehe die Gefahr, dass sich Wunschkandidaten anderweitig verpflichten. Zum Beispiel am Gorki.

Noch schweigt der zuständige Berliner Senat, bald aber wird entschieden. Die Süddeutsche Zeitung (namentlich die Herren Kollegen Till Briegleb und Peter Laudenbach) hat bereits einige Namen ins Rund geworfen, Sebastian Hartmann etwa, oder Florian Vogel, künstlerischer Interimsleiter am Hamburger Schauspielhaus, bis Karin Beier 2013 von Köln ans Schauspielhaus wechseln wird. Vogel habe schon Gespräche in Berlin geführt. Das jedoch sei grundfalsch, sagt das Schauspielhaus – und hat eine Unterlassungsklage eingereicht, der das Blatt rasch stattgab.

Florian Vogel wird nicht Intendant in Berlin, so viel steht fest. Wie wäre es mit der Schauspielerin, Regisseurin und Romanautorin Adriana Altaras? Von ihr sprach die Süddeutsche ebenfalls. Und von dem einstigen Volksbühnenschauspieler und jetzigen Regisseur Herbert Fritsch.

Zürich hat sich entschieden

Fritsch ist der meistgefragte und bestens bezahlte Sonnenkönig des deutschen Theaters, seitdem er zum größten Balzplatz des Betriebs, dem Berliner Theatertreffen, im letzten Jahr mit gleich zwei tollen Inszenierungen eingeladen war. Quer durchs Land erregt er aufs Schönste mit seiner forsch-fröhlichen Komödienpuppenkörperästhetik die Gemüter, zuletzt am Schauspiel Köln mit Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti“. Ja, bestätigte Fritsch gegenüber der Frankfurter Rundschau, Interesse an der Gorki-Intendanz habe er sehr wohl, der Senat habe ihn auch gefragt, aber mehr ließe sich nicht sagen, außer dass er sich das durchaus zutraue und gern ein eigenes Ensemble aufbauen würde.

Fritsch also. Sehr schön. Bleibt nur zu hoffen, dass nicht gilt, was sonst im heißlaufenden Personalkarussell gilt: Wer am häufigsten genannt wird, scheidet aus.

Und eben, als diese Zeilen geschrieben werden, erreicht uns die Nachricht: Das Zürcher Theater am Neumarkt hat ab 2013 einen neuen Intendanten! Es ist Peter Kastenmüller. Er folgt auf das Duo Barbara Weber und Rafael Sanchez, das übrigens laut der Süddeutschen Gerüchteküche auch Interesse an einer Intendanz am Gorki haben soll.

Autor:  Dirk Pilz
Datum:  4 | 2 | 2012
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