Über Kolumba schien alles gesagt und geschrieben, bis Peter Zumthor kam und vom trockenen Mörtelboden sprach. Erschöpfend hatten Kritiker Materialpräsenz und Sinnlichkeit des Museumsbaus gewürdigt, die Nähe zu Beuys betont, die "Ganzheitlichkeit im Tun und im Denken"; und man meinte, schon alles zu wissen über diesen Neubau auf Kriegsruinen, der 2007 nach zehnjähriger Bauzeit in der Kölner Innenstadt eröffnet werden konnte. Dann kam Zumthor, der Architekt.
Er sprach von den Lehmwänden, für die er kämpfen musste, weil sie dem Bauherrn zu kitschig erschienen waren, sprach vom Terrazzo, von japanischer Vorhangseide, und weil Peter Zumthor tatsächlich ein ganzheitlich denkender Mensch ist, sprach er auch von den Maurern aus Krakau, dem dänischen Steinproduzenten und den Holzleuten aus der Eifel, die für den Bau von Kolumba, dem Kunstmuseum des Erzbistums Köln, so "brutal wichtig" gewesen seien.
"Kampf" um die Eingangshalle
Wer den Vortrag gehört hat, den Peter Zumthor aus Anlass des ihm verliehenen Preises für das beste Bauwerk in Deutschland 2008 im Deutschen Architektur Museum hielt, wird anders durch Kolumba gehen, weil er um das Ringen weiß, das mit Planen und Bauen einher ging, den "Kampf" um die Gestaltung der Eingangshalle etwa und die Fehler, die zwischenzeitlich begangen wurden. "Gott sei Dank", so Zumthor, "sind diese Zeiten vorbei!"
Wie die Idee zu ihrer Form kam - so das Thema des Festvortrags - erläuterte Zumthor, der Minimalist, selbstkritisch, anschaulich und voller Anekdoten, nicht nur am Beispiel Kolumba. Und weil der Schweizer ein außergewöhnliches Sensorium für ihn umgebende Natur, Gerüche und die jedem Ort eigene Sinnlichkeit hat, kamen immer wieder Worte wie Frühstück, Kinder, Küche, Eschen und Wind darin vor. Die Besucher erfuhren, wie sich Zumthor stets langsam ein Thema umkreisend dem vorher nur vage erahnten Endprodukt nähert, wie nicht selten der Zufall (ein bestimmtes Material eines Bier brauenden Bruders des Bauherrn etwa) oder Unvorhergesehenes (unangenehme Zugluft, die mit böhmischen Glaseinsätzen verhindert werden musste) zu außergewöhnlichen Lösungen leitet, und man auch mal Fünfe gerade sein lassen kann, wenn die geplante Skulptur im Zentrum einer Kapelle in Wahrheit keinen Heiligen, sondern die Freundin des Künstlers abbildet. In Kolumba bildete der Backstein, mit dem die Fenster der alten Kirche geflickt worden waren, den Ausgangspunkt für das Material: Zumthor ließ einen speziellen, dazu passenden Ziegel entwickeln. "Weiterbauen ohne zu verstecken", war die Devise, und so integrierte Zumthor nicht nur die alten Mauerreste, sondern überbaute auch Ausgrabungen aus spätrömischer Zeit mit einer zwölf Meter hohen Halle. Wie man von der Kapelle, in den weit oben gelegenen Museumsbereich gelangen könnte, war ein Problem, das den Schweizer Architekten, der Ausbildungen als Schreiner, Innenausstatter und Denkmalpfleger, nie jedoch ein Architekturstudium absolviert hat, lange beschäftigen sollte. Die Lösung: Er produzierte "Masse, durch die man in einer großen Spiralbewegung nach oben geht, wo die Räume größer und größer werden". Im Obergeschoss galt es einen problematisch verzackten Grundriss mit Rechtecken zu gliedern, "deren Geometrie die Unregelmäßigkeit der Kirche reflektiert". Die so entstandenen kleinen, großen, hellen, dunklen Raumsituationen begannen das Äußere zu verändern. Peter Zumthor nennt es "Kontextreaktion".
Dass im Deutschen Architektur Museum, in dem nun eine Ausstellung mit sämtlichen Anwärtern auf die Auszeichnung zu sehen ist, unter anderem Zumthors Kolumba-Modell steht, wurmt den Architekten allerdings schon ein wenig, zeigt es doch ein früheres Planungsstadium. "Das Modell ist falsch", rief er am Abend der Preisverleihung, "ich will doch nicht, dass man unsere Fehler zeigt."
DAM, Frankfurt, bis 15. März.
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