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Portikus: So schön unperfekt

Morgan Fisher lässt im Frankfurter Portikus den Raum sich selbst betrachten.

Der obere Teil des Portikus am Boden: Morgan Fisher hat den Bau in der Mitte gespiegelt.
Der obere Teil des Portikus am Boden: Morgan Fisher hat den Bau in der Mitte gespiegelt.
Foto: Katrin Schilling/Portikus

Dass diese Glastür dort und die Kassettendecke so tief sei, all das habe er zuvor nicht realisiert, sagt Morgan Fisher und staunt. Es sei schließlich nicht nur er selbst gewesen, der sich das Kunstwerk ausgedacht habe. Die Architektur des Raumes habe ihn gleichsam dazu genötigt. Gemälde habe er im Sinn gehabt, als er im vergangenen Herbst zum ersten Mal den Frankfurter Portikus betreten habe. Monochrome Gemälde, die in einer konkreten Beziehung zum Raum stehen, seine Eigenarten betonen, Ungünstigkeiten nicht verdecken, sondern hervorheben. So hatte der Künstler bereits 2002 im Neuen Aachener Kunstverein graue Bilder ausgestellt, die sich mit ihren Winkelformen an die Ecken der Fenster anpassten, sie also für Stellen konzipiert, an denen eigentlich kein Platz für sie war. In der Kölner Galerie Buchholz hatte Fisher fünf Jahre später in den Farben des Farbkreises gehaltene (teilweise zerschnittene) Bilder so aufgehängt, dass sie Vor- und Rücksprünge der Wände ignorierten und so - mehr als alles andere - für den sie umgebenden Raum sensibilisierten.

Es waren Bilder, die die unausgesprochenen Voraussetzungen für ihre eigene Produktion infrage stellten. Dass auch im Portikus scheinbar monochrome graue Bilder an den Wänden verteilt sind, sei wahrhaftig Zufall gewesen, erzählt der Künstler, der 1942 in Washington, DC, geboren wurde und in Los Angeles lebt. Seine Installation mit dem Titel "Portikus Looks at Itself" spiegelt schlicht die obere Hälfte des ungewöhnlich hohen Gebäudes, so dass eine Doppelung der Decke nun auf dem Fußboden liegt, eine zweite Reling den Raum rahmt und die schmalen Fenster im Obergeschoss nun als graue Paneele wie Bilder an den unteren Wänden erscheinen. Plötzlich fallen einem auch andere Details im Raum auf, die Feuer- und Bewegungsmelder etwa, wenngleich Fisher sie nicht dupliziert hat. Eine detailgenaue Rekonstruktion war schließlich gar nicht sein Anliegen. Er wollte vielmehr neutrale Platzhalter schaffen für all das, was ihm am Ort bemerkenswert erschien, "Details, die mir ungewöhnlich vorkamen und deren Sinn sich mir nicht erschloss".

Das Unperfekte einer Architektur nicht zu überspielen, sondern durch Betonung anzuerkennen, ist eine Methode, die sich als Roter Faden durch das Werk des Amerikaners zieht, der als eine der zentralen, wenngleich international weniger bekannten Figuren der Kunstszene an der amerikanischen Westküste gilt. Fisher, der Kunstgeschichte und Film studiert hat, arbeitete zunächst als Cutter in Hollywood und begann Ende der sechziger Jahre aus der Erfahrung mit der dortigen Filmindustrie experimentelle 16mm-Filme zu drehen. Sämtliche Filme, die Titel tragen wie "The Director and His Actor Look at Footage Showing Preparations for an Unmade Film " lassen die verborgenen Mechanismen des Films und seine Produktionsprozesse zu Tage treten. Jede darstellende oder inhaltliche Ebene des Mediums wurde entfernt, um dessen eigene Bedingungen zu reflektieren.

"Alle meine Arbeiten sind extrem simpel", erklärt Morgan Fisher, "die Idee erklärt sich nach wenigen Sekunden von selbst." Dennoch hoffe er natürlich, dass man sich anhand seiner Arbeiten weitergehende Gedanken über Gegebenheiten mache, über die man sonst nicht nachdenkt. Warum, zum Beispiel gibt es im Portikus diese Reling, die man als Besucher gar nicht betreten darf? Für den Fensterputzer vielleicht?

Portikus Frankfurt: bis 16. März, www.portikus.de

Autor:  SANDRA DANICKE
Datum:  31 | 1 | 2009
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