Der Bürgerrechtler Liu Xiaobo ist einer der bekanntesten Kritiker des kommunistischen Machtapparats in China und der Regierung seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Ungeachtet aller Einschüchterungen durch die Staatssicherheit hat der Schriftsteller immer wieder seine Stimme für politische Reformen, Demokratie und Meinungsfreiheit erhoben. Obwohl Dissidenten während der Olympischen Spiele 2008 nicht mit ausländischen Journalisten sprechen sollten, war Liu Xiaobo zu Interviews bereit. Er kritisierte die Unterdrückung von Anwälten und Bürgerrechtlern im Zusammenhang mit den Spielen.
Vor einem halben Jahr wurde er festgenommen. Die offizielle Anklage wirft ihm jetzt einen Umsturzversuch vor. Er soll Gerüchte verbreitet und die Regierung diffamiert haben. Die Festnahme des bekannten Schriftstellers hatte im vergangenen November international eine Welle an Protesten ausgelöst. 150 Intellektuelle aus aller Welt, darunter die Schriftsteller Umberto Eco und Salman Rushdie setzten sich für eine Freilassung des 53- Jährigen ein.
Der im Dezember 1955 in Changchun in Nordostchina geborene Liu Xiaobo zählt seit zwei Jahrzehnten zu den wichtigsten Denkern der stark dezimierten Demokratiebewegung in China. Er steht seit 2003 dem chinesischen Pen-Club unabhängiger Schriftsteller vor.
Im Moment wird Liu Xiaobo Berichten zufolge an einem geheimen Ort unter Hausarrest gehalten. Doch er saß auch schon im Gefängnis: Bereits nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989 kam Liu, der damals für seine Literaturkritiken und philosophischen Schriften bekannt war, fast zwei Jahre in Haft.
Er hatte das Vorgehen der Studenten verteidigt und eine Aufklärung des Massakers gefordert. Liu verlor dabei auch seinen Posten als Dozent an der Universität. Nach seiner Haftentlassung wurde er wieder in der Dissidentenszene aktiv. 1996 landete er für drei Jahre in einem Umerziehungslager.
Mit der Entwicklung des Internets in China wurde Liu Xiaobo einer der profiliertesten Kritiker der chinesischen Blockaden von Webseiten und der Verfolgung systemkritischer Internetautoren. Die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen zeichnete ihn 2004 mit ihrem Preis für Pressefreiheit aus.
Nach den Unruhen der Tibeter im März vergangenen Jahres forderte Liu zusammen mit anderen Bürgerrechtlern einen Dialog der Regierung mit dem Dalai Lama und echte Religionsfreiheit auch in Tibet. Dennoch wandte er sich gegen Forderungen nach einem Boykott der Olympischen Spiele in Peking.
In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa wies Liu damals die überzogenen Hoffnungen im Westen zurück, dass die Spiele in China zu mehr Freiheit führen könnten. "Für solche Veränderungen wären vielmehr politische Reformen nötig."
Liu Xiaobo zählt zu den Mitorganisatoren der "Charta 08", einer Petition für mehr Freiheit und Demokratie in China. Der Name des Appells lehnt sich an die "Charta 77" aus der früheren Tschechoslowakei und deren gleichnamige Bürgerbewegung an. Kurz vor Veröffentlichung der "Charta 08" zum 60. Jahrestag der Allgemeinen Menschenrechtserklärung der Vereinten Nationen wurde Liu Xiaobo im vergangenen Jahr verhaftet. (dpa)
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