James Bond spielen kann nicht jeder. Aber ihn inszenieren? Anscheinend schon: Prominente Regie-Stars waren lange Zeit das Letzte, worin die englischen Produzenten der Serie groß investiert hätten. Da jagten sie ihr Geld lieber gleich für alle Welt sichtbar in die Luft. So standen meist Routiniers des Unterhaltungskinos hinter der Kamera, die, wenn sie ihre Sache gut machten, eine Lizenz zum Bleiben erhielten: Guy Hamilton zum Beispiel drehte nach dem Klassiker "Goldfinger" drei weitere "Bonds", sein Kollege John Glen durfte fünfmal ran. Doch welcher Filmfan - hartgesottene Bond-Anhänger ausgenommen - kennt noch ihre Namen?
Erst in diesem Jahrtausend setzt man bei der Serie bewusst auf die spezielle Färbung durch Autorenregisseure: Nach dem englischen Veteran Michael Apted und dem Neuseeländer Lee Tamahori nun ein gebürtiger Deutscher: Marc Forster, 38, aus der Gegend von Ulm, der in einem Elite-Internat in der Schweiz groß wurde und in New York die Filmhochschule besuchte. Auch künstlerisch ist er ein Weltenbummler zwischen "Art House" und Unterhaltung. Nach seinem Durchbruch, dem Oscar-gekrönten Rassismus-Drama "Monster's Ball" mit Halle Berry, hätte er einen "Harry Potter" drehen können - er lehnte ab.
Lieber widmete er sich der Lebensgeschichte des Pater-Pan-Autors James Barrie in dem hinreißenden Comedy-Drama "Wenn Träume fliegen lernen". Und was darauf folgte, war immer noch nicht der erwartete Hollywood-Blockbuster, sondern ein verrätselter Kunstfilm im Thriller-Gewand namens "Stay". Großzügig ernannte Forster dabei die bis dahin kaum bekannte deutsche Fotokünstlerin Stefanie Schneider zur künstlerischen Mitarbeiterin und ließ sie den Look des Films bestimmen. Nun sind ihre vergilbten Polaroid-Fotos amerikanischer Landschaften ein Dauerbrenner auf dem Kunstmarkt.
Wer dem 1,88 Meter großen Glatzkopf einmal begegnet, erlebt einen Intellektuellen ohne Attitüde, eine ebenso patente wie zugleich bescheidene Erscheinung. Es gibt nichts, was man diesem Forster nicht zutrauen würde, aber viel, das er sich ersparen würde: So lehnte er etwa kurz nach dem Studium einen 500 000 Dollar schweren Regieauftrag ab, weil ihm das Drehbuch nicht gefiel.
Und auch sein "Bond", der heute seine Weltpremiere in London feiert und nächste Woche in den deutschen Kinos anläuft, kommt nicht vom Fließband. Es gibt (fast) keinen Sex in "Ein Quantum Trost", aber reichlich Liebeskummer und einen Helden, den weder ihre Majestät motivieren noch eine Olga Kurylenko wirklich verführen kann. Getrieben scheint er - im 22. und schwärzesten Teil der Serie, die die Fortsetzung zu "Casino Royale" ist - ganz allein von Rache. Ein dunkler Ritter, dieser neue Bond.
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