Nachdem der iranische Regisseur Jafar Panahi bereits für die Teilnahme an einem Berlinale-Panel keine Ausreiseerlaubnis erhalten hatte, ist er am Montagabend in Teheran verhaftet worden. Die Begleitumstände sagen einiges über die generelle Situation im Iran aus: Wie sein Sohn Panah Panahi der reformerischen Internetzeitung Rahesabz berichtete, wurde eine private Veranstaltung von mehreren Zivilkräften ("Lebas Shakhsi") gesprengt.
Die per Notruf informierte Polizei erklärte sich für unzuständig, da es sich um einen Einsatz des Geheimdienstes handele. Bei einer fünfstündigen Hausdurchsuchung wurden Dokumente und Computer beschlagnahmt; Panahi, seine Frau und Tochter sowie 15 weitere Gäste sollen an einen unbekannten Ort verbracht worden sein.
Unter den Festgenommenen sollen sich auch die Filmemacherin Mahnaz Mohammadi sowie der Regisseur Mohammad Rasoulof befinden.
Während der ermittelnde Anwalt Abbas Jafari Dowlatabadi erklärte, die Aktion sei nicht politisch motiviert, berichten andere Quellen, Panahis Verhaftung stünde im Zusammenhang mit einem geplanten Filmprojekt über die Unruhen des letzten Jahres. Da diese Ereignisse von den offiziellen Medien totgeschwiegen wurden, hatten iranische Filmemacher mit youtube-Clips und dem Boykott wichtiger Filmfestivals gegen die zunehmende Zensur und die gewaltsame Niederschlagung von Demonstrationen protestiert. Bereits im Wahlkampf hatten viele Regisseure den Oppositionsführer Mussawi mit eigenen Wahlwerbespots unterstützt.
Jaafar Panahi gehört zu jenen kritischen Filmemachern, die zwar international für den guten Ruf des iranischen Kinos sorgen, im Land selber aber zensiert sind - seine mehrfach ausgezeichneten Filme "The Circle", "Crimson Gold" und "Offside" liefen im Iran selber gar nicht oder nur in Sondervorführungen.
Der 49-jährige, der aus seiner Abneigung gegen Ahmadinedschad nie einen Hehl gemacht hatte, hatte beim Filmfestival Montreal im September letzten Jahres durch das Tragen eines grünen Schals öffentliche Solidarität mit der Protestbewegung und den inhaftierten jungen Iranern ausgedrückt. Bereits im Juli war Panahi im Beisein von Mohammadi und einer weiteren Kollegin, Rokhsareh Ghaemmaghami, bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer der Protestdemonstrationen auf dem Märtyrerfriedhof Beheshte Zahra festgenommen worden.
Da solche kurzzeitigen Verhaftungen zu probaten Einschüchterungsmaßnahmen gehören - gerade im Vorfeld neuer angekündigter Proteste zum persischen Neujahr im März - ist davon auszugehen, dass Panahi schon bald wieder freigelassen wird.
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