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Reich-Ranicki bei Gottschalk: Weder geistreich noch unterhaltsam

Marcel Reich-Ranicki hat den Fernsehpreis abgelehnt - und dafür eine Sondersendung bekommen, die sich Christoph Schröder angesehen hat. Thomas Gottschalk dagegen geht lieber aufs Klo.

Der Kritiker des Fernsehens und die Ikone der deutschen Fernsehunterhaltung: Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk.
Der Kritiker des Fernsehens und die Ikone der deutschen Fernsehunterhaltung: Marcel Reich-Ranicki und Thomas Gottschalk.
Foto: ap

Das Aufregendste war im Grunde das Vokabular, mit dem "heute-journal"-Moderator Claus Kleber die nachfolgende Sendung ankündigte: Von DEM "intellektuellen Weckruf der Saison" war die Rede und davon, dass die letzte reizvolle Begegnung von Geist und Unterhaltung die Hochzeit von Arthur Miller und Marilyn Monroe im Jahr 1956 gewesen sei.

Stellt sich nur die Frage, wer bei dem anschließend ausgestrahlten Gespräch zwischen Thomas Gottschalk und Marcel Reich Ranicki den Geist und wer die Unterhaltung repräsentieren sollte. Denn es ging weder geistreich noch unterhaltsam zu.

"Aus gegebenem Anlass" fand dieses Begegnung statt und so lautete auch ihr Titel. Der Anlass war der, dass der Literaturkritiker Reich-Ranicki in der vergangenen Woche für einen Eklat gesorgt hatte, als er vor laufenden Kameras den Deutschen Fernsehpreis für sein Lebenswerk ablehnte und noch dazu das Fernsehen beschimpfte.

Einfacher kann man es sich nicht machen; und das Lob folgte prompt von erwartbarer Seite. Henryk M. Broder merkte dazu an, dass er sich demnächst auch einmal im Fernsehen gewaltig daneben benehmen werde und dafür ebenfalls eine Sondersendung erwarte.

Da saßen sie sich nun also in zwei bequemen Ledersesseln im gediegenen Ambiente gegenüber. Seit dem Fernsehgala-Abend ist man per Du, und doch bemühte sich Gottschalk in geradezu auffälliger Zwanghaftigkeit um einen seriösen Gesichtsausdruck.

Das Paradoxe an dem Gespräch: Nicht der Kritiker verfiel in ein Lamento, sondern der Moderator und Unterhalter Gottschalk. Denn nachdem Reich-Ranicki kund getan hatte, wie grauenhaft Helge Schneider an jenem Abend gewesen sei, um anschließend belehrt zu werden, dass dieser doch gar nicht vor Ort gewesen sei, verfiel Gottschalk in die alt bekannte öffentlich-rechtliche Klage: Dass man ja sowohl besser könnte als auch wollte, aber nicht dürfe, weil sonst die Quoten in den Keller fielen.

Reich-Ranickis beinahe einziges und gefühlte zwanzigmal vorgebrachtes Argument: "Die im Fernsehen sollen sich mehr Mühe geben." Auch die Worte "scheußlich" oder "abscheulich" wurden reichlich bemüht.

Doch weiter Gottschalk: Da stelle er sich am Samstag Abend immer hin und gebe sich Mühe, einen Kompromiss zwischen Boulevard und Seriosität zu finden, und "am Montag kommen die Feuilletons und treten mich in die Tonne, während die Klofrau mich feiert." Da gehe man doch am liebsten aufs Klo.

Irgendwann reichte es Reich-Ranicki: "Über Deine Rolle als Moderator wollen wir hier nicht reden." Aber worüber sonst? Was soll man schon antworten auf die Frage, ob Atze Schröder nicht in 200 Jahren der neue Shakespeare sein könnte, außer schlicht und einfach: "Nein!"? Was gibt es noch zu sagen zu einer Phrase wie "Wenn Du über das Fernsehen weinst, wirst Du Dich erschießen, wenn du ins Internet gehst."? Richtig - nicht mehr viel. Außer: "Die im Fernsehen sollen sich mehr Mühe geben." So ist es.

Autor:  Christoph Schröder
Datum:  18 | 10 | 2008
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