Als 1992 Gabriele Goettles "Deutsche Sitten" in Enzensbergers Anderer Bibliothek erschienen, berichtete Uwe Schmitt schon für die Frankfurter Allgemeine Zeitung aus Japan. Schirrmacher lobte Goettle über den grünen Klee und war dabei nicht allein mit der Idee, die deutsche Literatur könne sich im literarischen Journalismus erneuern. Schmitt bestätigte diese Einschätzung. Ich war nicht überrascht, als er kurz vor der Jahrtausendwende mit seinen Japansachen in der Anderen Bibliothek ankam.
Inzwischen berichtet er für Die Welt aus Washington. Aber noch immer hütet er Enzensbergers "Mahnfaxe" aus der Ära, als "Tokyo Tango" Buchgestalt annahm. Er erzählt das in der bis auf den letzten Platz besetzten Sachsenhäuser Kommunikationsfabrik. Der Autor genießt in Frankfurt die Vorteile eines Heimspiels. Vor allem Leute aus dem Jazz wollen den unter die Journalisten gegangenen Schlagzeuger in dem aufgelassenen Industriegewölbe erleben.
Schmitt erreichte Japan in einem Zustand weitreichender Orientierungslosigkeit. Sein Japanisch war nicht der Rede wert: "Ich war behindert, sagen wir gemäßigt taubstumm." Man eilte dem Gaijin zur Hilfe und er unterdessen in manche Verhaltensfalle: "Gegen Freundlichkeit gibt es keine Gegenwehr". Schmitt befleißigte sich der Entschlüsselung des japanischen Zeichensystems auf dem Gebiet der Gestik und Mimik. Er lernte, "Japan zuzuhören" - "Was mir entging, ahne ich".
Was immer Schmitt entgangen sein mag, seine Leser in den 90er Jahren bemerkten das bestimmt nicht. Sie werden über Feinzeichnungen gestaunt und die Selbstverwahrungen des Autors gegen exotistische Darstellungen einer Kultur begrüßt haben, in der lange nur zwischen westlichen und östlichen Barbaren unterschieden wurde, sofern es um Nicht-Japaner ging.
Auch die Becken fegt er
Schmitts Vortrag gibt einer Vermutung die Richtung an, wie der Vortragende tickt: Schmitt ist nicht einfach aus der Fassung zu bringen. Wo alles Mögliche und durchaus Gegensätzliches der Fall sein könnte, da beschränkt er sich auf eine Aufzählung.
Er fegt auch noch die Becken eines Schlagzeugs. Vor ihm bläst Christof Lauer die Patina vom Backstein. Das Spiel des nordhessischen Saxofonisten lässt mich an einen singenden Baum denken und zugleich an das entlegene Glück einer Einkehr in die Metaphernlosigkeit.
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