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Rommel-Ausstellung: So viel Verharmlosung war selten

Eine Ausstellung in Stuttgart feiert Erwin Rommel als Militär. Überall Nazizeitschriften, Nazitexte, Nazifilme. Der Besucher erfährt aber nicht einmal, ob Rommel Antisemit war. Von Arno Widmann

Erwin Rommel als Revue-Girl verkleidet (Mitte), 1912.
Erwin Rommel als Revue-Girl verkleidet (Mitte), 1912.
Foto: Privat/ Haus der Geschichte Baden-Württemberg

"Mythos Rommel" heißt die Ausstellung. Es wäre gelogen, wollte man sagen, sie erläge ihm. Das setzte voraus, die Ausstellungsmacher hätten ihm Widerstand geleistet. Nein, das gewiss nicht. Die Ausstellung zelebriert vielmehr den Mythos Rommel. Man geht hinunter, gewissermaßen in die Krypta des Hauses der Geschichte. Dort herrschen Dunkel und der zweite Satz von Beethovens Eroica: Marcia funebre. Es ist der offizielle Film vom Staatsbegräbnis des Wüstenfuchses. Mit der offiziellen Musik. Der Besucher schwelgt in der Todesmystik der Nazis.

Erwin Rommel (1891-1944) war während des Zweiten Weltkriegs der bekannteste Deutsche nach Hitler. Durch seine Siege in Afrika wurde er bei den Angelsachsen zum gefeierten Feind. Als ihm der Durchbruch zum Suezkanal doch nicht glückte und als die Niederlage in Afrika sich abzeichnete, orderte Hitler Rommel zurück nach Europa. Rommel sollte am Atlantikwall helfen, die Invasion amerikanischer und britischer Truppen in Frankreich zu verhindern. Das Ergebnis ist bekannt.

Erwin Rommel hatte - so die Ausstellung - versucht, die Heeresführung davon zu überzeugen, dass gleich ganz vorn am Atlantik Panzerverbände die Invasionstruppen in Empfang nehmen sollten. Er drang mit dieser Taktik nicht durch. Wir wissen nicht, ob seine Taktik erfolgreicher gewesen wäre. Wenn, so sind wir froh, dass er am Widerstand der Führung scheiterte.

Nichts aber liegt dieser Ausstellung ferner als ein solcher Gedanke. "Mythos Rommel" feiert den Militär. Ganz am Anfang eine große Vitrine mit Bildern von Rommels Eltern und seiner eigenen Familie. Fotos, die ihn als Revuegirl und seine Frau in seiner Uniform zeigen. Dann nichts als Militaria. Rommels Mantel, seine Uniform, sein Tschako, sein Marschallstab etc. sind zu bewundern. Daneben Gefechtsberichte, Lageskizzen, Angriffspläne. Vor allem aber Fotos, Fotos. Es sind vor allem die Reklamefotos, die die Nazis machen ließen, und natürlich die seines Leibfotografen. Der Zuschauer betrachtet Nazizeitschriften, liest Nazitexte, sieht Nazifilme, hört Nazireden. Ihm fällt auf, wie schmächtig und klein Erwin Rommel noch neben Adolf Hitler - der soll Ende des Krieges nicht größer als 170 cm gewesen sein - wirkt. Sonst nichts.

Ausstellung: "Mythos Rommel"

Bildergalerie ( 9 Bilder )

Keine Zeile über das, was Rommel dachte, was er schön, wichtig, interessant fand. Anfang 1919 war er in Lindau am Bodensee gegen die Arbeiter- und Soldatenräte vorgegangen. Ohne jeden Erfolg. Am 18. Oktober 1919 leistete der den Schwur auf die Republik. Die Ausstellung sagt uns das. Sie sagt uns nicht, wann er diesen Schwur durch den auf Hitler ersetzte, und sie informiert uns auch nicht darüber, welcher Schwur ihm leichter fiel.

Die Jahre zwischen 1920 und 1931 bleiben in der Ausstellung undokumentiert. Es sind die Jahre, da Erwin Rommel der Republik diente. Was tat er damals? Wie tat er das? Wir erfahren nichts über seine politischen Präferenzen. War er noch lange monarchistisch? War er völkisch? War er Antisemit? War er das alles garnicht? War er "nur" davon überzeugt, dass Deutschland stark und mächtig zu sein hatte? Glaubte er an Gott?

"Mythos Rommel" kommt ohne den Menschen Rommel aus. Er interessiert nicht. Die Ausstellungsmacher nicht und die sich im Besucherbuch artikulierende Öffentlichkeit offenbar auch nicht.

Die Ausstellung feiert den Militär. Sie feiert ihn, ohne sich die Frage zu stellen, wofür er kämpfte. Sie tut so, als sei das Militärische per se eine Tugend und als könne , wer nur etwas vom Militär versteht, ein guter Militär sein. Mit der größten Selbstverständlichkeit, und ohne auch nur ein Milligramm Problematisierung wird vorgeführt, wie der Nazi-Mythos Rommel übergeht in den Post-Nazi-Mythos Rommel.

Als Rommel im Juli 1944 in zwei Memoranden den Krieg für verloren erklärt, stellt er sich damit gegen Hitler. Aber er ist gegen ein Attentat. Falls eines stattfindet und gelingt, stehe er aber den Attentätern zur Verfügung. Der Blitzkrieger Rommel war das nur im Kampf mit Hitler. Im Kampf gegen Hitler zauderte und zögerte er. Hitler ließ ihm ausrichten: Wenn du eine Todeskapsel schluckst, bekommst du ein Staatsbegräbnis und deine Familie wird verschont. Andernfalls bekommst du einen Prozess und es geht den Deinen an den Kragen. Am 14. Oktober 1944 nahm Erwin Rommel die Tablette, rettete seiner Familie das Leben und konnte so Nazis und Anti-Nazis ein Mythos sein. Exakt das Richtige für die Bundesrepublik.

Die kleine Ausstellung im Keller des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg macht in der Tat Geschichte: Verharmlosender ist die Rolle des Militärs in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus in den letzten vierzig Jahren nicht mehr gezeigt worden.

Mythos Rommel. Eine Sonderaus-stellung im Haus der Geschichte Baden-Württemberg, Stuttgart, Konrad-Adenauer-Str. 16. Noch bis 20. September.

Autor:  Arno Widmann
Datum:  7 | 9 | 2009
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