Sehr oft sind Gastspiele von Theatertruppen aus fernen Ländern ein Gewinn. Sie können zeigen wie die anderen leben, was sie beschäftigt, wodurch ihre Formen der Darstellung sich unterscheiden von dem, was wir kennen. Manchmal allerdings steht der Aufwand der Anreise in keinem Verhältnis zum Ertrag.
So jetzt, als im Programmteil "Young Directors Project" der Salzburger Festspiele die japanische Truppe des Regisseurs Toshiki Okada mit "Fünf Tage im März" gastierte. Es war eine Darbietung der schlichtesten Art. Gehandelt werden sollte von dem Abstand zwischen weltbewegenden Ereignissen, hier: dem Beginn des Krieges im Irak, und den privaten, alltäglichen Erlebnissen einer Gruppe junger Leute in Tokio.
Gestik eines Fußballspielers
Was die so treiben, wird auf der leeren Bühne freilich nicht erspielt, sondern in raschem Redefluss, dem die per Video mitlaufende Übersetzung kaum folgen kann, nur erzählt. Es treten also zunächst zwei junge Männer auf, von denen einer dem anderen berichtet, wie er im Vergnügungsviertel Rappongi, während die Kriegshandlungen im Irak begannen, am Auftritt einer Pop-Gruppe teilgenommen hat. Seltsam ist dabei der immer gleiche Gestus des Erzählers: Ohne Unterlass vollführt der mit den Armen die Bewegungen eines Fußballspielers, der ausgewechselt werden möchte. Sein Zuhörer produziert dazu die Körpersprache eines Jürgen Klopp, der darauf besteht, dass der Spieler auf dem Platz bleibt, einmal scheint er Einwürfe zu üben.
Auch das Mädchen Mitty, die uns informiert über das Scheitern des Versuchs, einen Jungen zum Sex mit ihr zu überreden, wird begleitet von sportiven Bewegungen nur eines Beins, sie arbeitet offenbar an der richtigen Schusstechnik.
Eineinhalbstündige Rederei
Dann kommt Yukki. Sie lässt wissen, wie es gewesen ist, als sie mit einer Zufallsbekanntschaft in einem Stundenhotel fünf Tage lang Verkehr hatte, bis die Kondome ausgingen. Um nun wieder den Krieg in das Gerede zu bringen, schleichen schleppenden Schrittes zwei Typen auf der Bühne hin und her, müde Teilnehmer an einer schlappen anti-amerikanischen Demo, in die sie ohne jedes Interesse an dem Anlass unabsichtlich geraten sind.
Es erscheint später auch noch Suzuki, der seinen Auftritt mit dem Hinweis darauf beginnt, dass er nichts Spannendes mitzuteilen habe. Was der Wahrheit entspricht. Und für die ganze, eineinhalbstündige Rederei gelten kann. Die ausdruckslos referierten Banalitäten bleiben bei sich, vermitteln keine andere Einsicht als die, dass jedenfalls diese Japaner nicht wissen, was sie wollen sollen. Schon bald will der Zuschauer auch nicht mehr. Im Publikum viele Abgänge vor der Zeit.
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