Wenn die Welt eine Scheibe wäre, wäre Kino Wirklichkeit. Oder Galilei ein Lügner. Oder vielleicht wären Scheiben dann Striche. Und das Theater wäre ein Film. Bei Simon Solberg ist das Theater eine Scheibe, eine Riesen-DVD, die hereingerollt und eingelegt wird, und es geht dann so munter durcheinander, wie gerade in diesem kleinen Text hier (der vielleicht ein Märchen ist. Oder ein Witz).
Scheibe, Metro-Goldwyn-Meyer-Löwe, bombastische Filmmusik, ein Film von den Produzenten von Odyssee Reloaded, sagt die Werbung und los geht's: Solberg ist einer von den ganz flinken neuen Theatermachern, die schnell und unbeschwert an die Sache rangehen. Hier mischt er Grimms Märchen mit Frankfurt, Theater mit Kino, Arbeit in der Bibliothek und im Videoshop, ganz Low und ganz High, um etwas über die Stadt herauszufinden, an deren Theater er erst Assistent und dann Regisseur war. Vier Abende soll es in der Schmidtstraße geben, eine Zusammenfassung, angekündigt als Filmabend, steht am Ende.
Letztendlich ist das alles aber nur Vorwand für die pure Lust am Spiel. Der lange, dürre Sebastian Schindegger und der kleine Stefko Hanushevsky, ohnehin die beiden größten Komiker im Frankfurter Ensemble, sausen mit einem Witz, der nur von ihrer Geschwindigkeit übertroffen wird, durch Dornröschen und einen Bauwagen, den sie ins Frankfurter Bahnhofsviertel ziehen und in dem sie gemeinsam hausen. Sie sind - trefflich frankfurterisch unterstützt von Özgür Karadeniz - Fahrendes Volk und diverse Prinzen, die beiden Grimms aus Hanau und Gollum (der mit dem Schatz) und Hitler (der mit dem Schnauzer), manchmal nur für Sekundenbruchteile, aber schön trennscharf und treffsicher.
Ernst nehmen sollte man das alles nicht, aber Vergnügen macht es schon. Die ganze Welt ist ein Theater, jeder Film ist auch nur Theater und Frankfurt ohnehin. Alles ist bei Solberg Theater: Die Welt ist eben doch eine Bühne. Oder eine DVD. Egal.
Schauspiel Frankfurt, Schmidtstraße: 30. April, 6., 13. Mai, Filmpremiere: 29. Mai.
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