Es ist Montagabend im Wiesbadener Schlachthof, draußen tobte gerade ein gewaltiger Sturm, die Pfützen reichen fast bis in die Räucherkammer. The Errors gaben als Vorband fein ausgedachten, aber letztlich doch braven Post-Rock, und es ist so etwas wie Langeweile greifbar, die wie die Kälte in den Gängen von einem Besitz ergreift, ohne dass man etwas dagegen tun kann.
Eine knappe Stunde später steht die Hundertschaft Spalier und brüllt den Dänen von WhoMadeWho auf ihrem Weg zum Merchandising-Stand "Zugabe, Zugabe" ins Ohr. Man ahnt in diesem Moment, wieso Daft Punk, LCD Soundsystem oder Soulwax dieses Elektro-Trio zu ihrer Lieblingskapelle erklären, und wieso Hot Chip jüngst nach einer gemeinsamen Tour darauf bestanden, die neue WhoMadeWho-Auskoppelung "TV Friend" zu remixen.
Hören Sie rein in den Bastard Pop von WhoMadeWho auf myspace.
Ihre Musik kommt von überall her, besser noch: sie fliegt, in Überschallgeschwindigkeit. Vom Glamour eines T-Rex, von Thin Lizzy, von Abba, vom Vocoder-Pop der achtziger Jahre, von Talking Heads, vom House der neunziger Jahre und schließlich vom Electroclash des neuen Jahrtausends. All das wird nicht sanft ineinander verknüpft, zu einem irgendwie leuchtenden Amalgam verschmolzen, sondern prallt frontal aufeinander. Man könnte das Verfahren durchaus obszön nennen, die Musik kennt keine Geheimnisse, sie will nur nach vorne.
Die Jungs, die sich das ausdachten, diese drei Dänen, die sich nach einem Album von AC/DC WhoMadeWho nennen, haben sich dafür ordentlich verkleidet. Sänger und Bassist Jeppe Kjellberg sowie Tomas Hoffding an der Gitarre tragen selbstentworfene Ganzkörperkondome mit einer bizarren schwarz-weißen Musterung, Tomas Barford, der Schlagzeuger, hat sich für einen mit Plüschornamenten verzierten Stringtanga entschieden - auf guten Geschmack wartet man hier vergebens. Dafür wird der Bastard Pop gefeiert wie schon lange nicht mehr.
WhoMadeWho sind so etwas wie eine analoge Super Dance Band, die Tanzmusik mit den Mitteln einer Gitarrenband produziert. Das ist an sich nicht neu, aber so wie es machen, so radikal euphorisch, ganz auf Lust aus, ist es eben doch eine Rarität. Dabei verzichten die Dänen live auf allen Zierat, keine Hüpfburg ist auf der Bühne zu sehen, nicht einmal eine ordentliche Lichtshow wollen sie sich gönnen. Als dürfe nichts ablenken von der kruden Ausgelassenheit ihrer Songs, von der Energie, die sie aus dem Funkenflug ihrer Musik ziehen.
So oder so, es ist ein großes Vergnügen. Man sieht junge Mädchen und junge Väter im Einklang vor Freude taumeln. Es ist Montagabend, der Sturm draußen hat nachgelassen. Eine Zugabe gibt es nicht, alle Songs sind gespielt. Beglückt, berauscht gehen wir nach Hause.
WhoMadeWho auf Tournee in Deutschland: 25. März Dresden, 26. März Leipzig, 27. März Hamburg.
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