Wenn Charles M. Schulz diese große amerikanische Alltagssinfonie namens "Peanuts" komponierte, dann war Bill Melendez der Mann hinter dem Dirigentenpult. Seine Lieblingsmusik war freilich der Jazz, und so ließ er auch nicht Schroeder am Kinderpiano die meisten Soli spielen, sondern den Hund Snoopy. Der Trickfilmschöpfer Bill Melendez war nicht nur der Regisseur, sondern auch die Stimme des eigentlich stummen, aber nie sprachlosen Vierbeiners.
Dabei galten Schulz' Comic-Zeichnungen zunächst als erstaunlich schwer umsetzbar. "Normalerweise braucht man für den Schritt eines Menschen 16 Einzelbilder in der Sekunde", erklärte Melendez in einem Interview. "Bei den Schulz-Figuren nahm ich schließlich sechs Bilder pro Viertelsekunde" - wegen der Trippelschritte der Kindsfiguren. Zu diesem Takt passte der unvergessliche Jazz-Soundtrack von Vince Guaraldi, der immer ein wenig nach Dave Brubeck klang.
Als 1965 der Film "Frohe Weihnachten, Charlie Brown" die Form des Cartoon-Specials im amerikanischen Fernsehen etablierte und Melendez einen Emmy-Award eintrug, war dieser schon drei Jahrzehnte im Geschäft. Geboren 1916 im mexikanischen Sonora, kam er 1939 als einer der ersten Lateinamerikaner ins Trickfilmgeschäft.
Produktion bis ins 90. Lebensjahr
Inmitten der Arbeit an "Dumbo" brach ein Streik aus, der zur Gewerkschaftsbildung in der Cartoon-Industrie führte. Wie die meisten Aktiven musste Melendez das Disney-Studio verlassen - und fand nach einigen Jahre mit "Bugs Bunny" bei Warner Brothers den Weg zum progressiven UPA-Studio. Erstmals wurde in der Cartoon-Industrie der modernen Abstraktion Vorrang gegenüber dem Bilderbuch-Illusionismus gegeben, und davon profitierten gleichermaßen die Cartoonhelden Mr. Maggoo, Gerald McBoing Boing und ihr Regisseur Bill Melendez.
Sein wohl schönster und persönlichster Film aber ist der Spielfilm "Snoopy", eine ebenso kindliche wie nachdenkliche Geschichte über den Versuch eines Ausbruchs aus der eigenen Hundehütte. Bis in sein 90. Lebensjahr hat Melendez Peanuts-Filme produziert. Er war einer der ersten gewesen, die mit dem Bleistift eine Kunst erschufen. Als einer der letzten, die dem zweidimensionalen Medium in der Computerzeit die Treue hielten, ist er am Dienstag im kalifornischen Santa Monica gestorben. Bill Melendez war 91 Jahre alt.
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