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10. Dezember 2012

Staatsbibliothek Berlin: Er war teuer, nun sei er uns lieb

 Von Nikolaus Bernau
Blick in den Allgemeinen Lesesaal der Staatsbibliothek. Foto: dapd

Die Berliner Staatsbibliothek übernimmt endlich ihren neuen Lesesaal im ehrwürdigen Haus Unter den Linden. Über die glanzvolle Architektur und Kunst dieses Ortes wird noch zu reden sein.

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Die Berliner Staatsbibliothek übernimmt endlich ihren neuen Lesesaal im ehrwürdigen Haus Unter den Linden. Über die glanzvolle Architektur und Kunst dieses Ortes wird noch zu reden sein.

Der 10. Dezember war ein Tag, an dem Buchgeschichte geschrieben wurde. Ein Richter entthronte Ulla Unseld-Berkéwicz in erster Instanz als Chefin des Suhrkamp Verlags, und die Berliner Staatsbibliothek übernahm endlich ihren neuen Lesesaal im ehrwürdigen Haus Unter den Linden.

Nach jahrelanger Wartezeit, Kostenexplosionen auf 400 Millionen Euro für das Bauprojekt, Firmenbankrotten und der Trennung vom Architekten HG Merz im „gegenseitigen Einvernehmen“. Dennoch war auch HG Merz gestern da, um das Resultat von zehn Jahren Planung und Streit anzusehen. Selbst seine Laune war gut: Bereitwillig zeigte er die zum Teppich passend orange-rot gewählten Socken.

Über Architektur und Kunst dieses Saals sowie ihre Bedeutungen wird noch zu reden sein. Glanzvoll jedenfalls ist sie. Schließlich hat der Bund viel dafür ausgegeben: Mehr als 320000 Euro pro Arbeitsplatz. Damit schlägt der neue Lesesaal kostentechnisch wohl alles, was in Deutschland für wissenschaftliche oder öffentliche Bibliotheken jemals investiert wurde.

Auch wenn es nur ein Witz ist neben den Kosten, die im Vergleich zu Bibliotheken kurzlebige Konsumgüter wie Autobahnen oder Flughäfen verursachen: Wenn am Wochenende Tag der offenen Tür ist, sollten wir Steuerzahler diesen Saal ganz als unser Eigentum betrachten.

Vehement verteidigte Hermann Parzinger, Präsident der die Bibliothek tragenden Stiftung Preußischer Kulturbesitz, noch einmal ihr Konzept, die Büchersammlung auf zwei Häuser zu verteilen: Die Bücher bis 1900 kommen in das Haus Unter den Linden, alle anderen in die Scharoun-Bibliothek am Kulturforum. Eine Blitzumfrage unter den vielen anwesenden Historikern ergab: Das Konzept wird trotz inniger Anpreisung durch die Stiftung für einen katastrophalen Fehler gehalten, für unpraktisch, teuer, forschungs- und publikumsfeindlich.

Sei’s drum. Die Euphorie angesichts des neuen Saals und seiner blitzenden Tische, der noch verheißungsvoll leeren Regale (erst im Frühjahr 2013 soll der Betrieb aufgenommen werden) war so groß, dass Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf wieder von der „größten wissenschaftlichen Universalbibliothek Deutschlands“ sprach.

Vor einiger Zeit hatte sie zur heimlichen Freude der konkurrierenden Münchner Bayerischen Staatsbibliothek den in 300 Jahren aufgebauten Universal-Anspruch Berlins aufgegeben. Angesichts steigender Betriebs- und Medienkosten sowie allenfalls stabil bleibender Ankaufsetats sei er nicht mehr zu rechtfertigen. Jetzt also doch wieder Universalbibliothek. Mögen die Etats nun auch dem alt-neuen Anspruch angepasst werden.

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