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19. Februar 2013

Städel Frankfurt: Städtische Verdichtung

 Von 
Die Kabinette sind verrückbare Kunstquartiere.  Foto: Norbert Miguletz

Warum es naheliegend ist, dass die Sammlung der Gegenwartskunst im Frankfurter Städel neue Akzente setzt und wieder umbaut.

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Weit davon entfernt, eine statische Einrichtung zu sein, hat das Städel jetzt neue Akzente im Rahmen seiner ständigen Präsentation angekündigt. Ein Jahr ist es her, dass das Frankfurter Museum mit seiner Sammlung an Gegenwartskunst neue Räume bezog, mit der unterirdischen Erweiterung, im Anschluss an das historische Gebäude, unterhalb des Städel-Gartens, in ein sehr schönes Quartier einwanderte – in eine „Kleine Stadt im Erdreich“ (FR 22.2.2012).

Nun könnte man skeptisch sein, aber die „Erstpräsentation war nur ein erster Vorschlag“, meint Städel-Direktor Max Hollein, und das betont Hollein nicht nur aktuell. Als Anregung hat er den Großraum, den ihm das Frankfurter Architekturbüro Schneider + Schumacher vor zwölf Monaten eröffnete, einen grandiosen Raum mit einer zusätzlichen Ausstellungsfläche von 3 000 Quadratmetern, von Anfang an aufgefasst. 18000 Besucher strömten am Wochenende der Eröffnung die sich leicht weitende Treppe hinab. 450000 besuchten das Städel im vergangenen Jahr, als Kunstkritiker das Haus zum „Museum des Jahres 2012“ wählten.

Von Erweiterungen, Neuordnungen, sich verändernden Gewichtungen durch andere Akzente sprach Hollein indirekt bereits vor der Eröffnung, etwa wenn er in seinem Dienstzimmer vor dem Modell des neuen Kunstquartiers stand. Dann zeigte er auf einen White Cube im Kleinen, darin zehn Kabinette. Im Miniaturformat hingen an den weißen Wänden des Modells kleinste Abbilder, und die stattlichen Formate, ein Anselm Kiefer, Ernst Wilhelm Nays „Rotklang“, ein Neo Rauch, hatten Streichholzschachtelgröße. So ließ sich die Moderne bewegen, ließen sich die Gerhard Richter, Georg Baselitz, Markus Lüpertz, Sigmar Polke oder Martin Kippenberger, deren Abbildchen rückwärtig mit Magneten versehen waren, arrangieren. Puzzeln. Das neue Haus war bereits im Stadium der Miniatur eine kleine Versuchsanordnung der Gegenwartskunst.

Dass auch der lichte Anbau des Städel, mit seinen von Anfang an verschiebbar konstruierten Wänden, als Übergangsraum gedacht war, bei aller Schwerpunktsetzung ein Experimentierfeld der Gegenwartskunst, war also vom Tag der Neueröffnung klar. Dank des Bankenstandorts Frankfurt kamen Reichtümer aus den bisher eigenen vier Wänden der Deutschen Bank (600 Dauerleihgaben) und der DZ Bank (220 Leihgaben) ins Städel. Museen, so sprach Hollein damals, „haben in ihrer DNA ein Wachstum-Gen, sie müssen wachsen, weil ihre Sammlungen wachsen“. Hollein hat für seine Wachstumskampagne eine Stadt mobilisieren können: die Bürger für ein Bürgermuseum; die Banken für ein Banken-museum.

Nun kann man natürlich hinzufügen, dass Museen längst auch einem Wachstumsimperativ unterliegen, erst recht als äußert sensible Standortfaktoren im Wettbewerb der Städte. Kein Museum ist mehr als stille Kunstkammer zu führen, die einen Kanon, einmal sanktioniert, unverändert präsentiert. In den nächsten Monaten sollen weitere Neuerwerbungen und Schenkungen in die Präsentation aufgenommen werden – auch der Garten, heißt es im Städel, werde stärker miteinbezogen, etwa durch die Präsentation von Skulpturen.

Der besondere Reiz des unterirdischen Städel-Quartiers, mit seinen verrückbaren Kabinetten, der bewegbaren Konstruktion der Kuben durch die Ausstellungsarchitekten Kuehn Malvezzi, liegt darin, dass es den Besucher durch eine kleine Stadt lotst, gleichsam durch Straßen, wie über Plätze. Rechter Hand die Abstraktion, links die Figuration, so ist, grob betrachtet, die bisherige Einteilung der Ausstellungsmacher, eine Präsentation, die sich vom Eigenleben der Bilder immer wieder empfindlich stören lässt. Jetzt soll es in diesem bisherigen Geflecht zu so etwas wie einer Verdichtung kommen.

Einige Werke wurden bereits ausgetauscht; im Depot untergebracht sind Kostbarkeiten. Vielleicht geht es bei dem behutsamen Städelumbau auch um so etwas wie einen kleinen Stadtumbau – um so etwas wie eine Gentrifizierung der Gegenwartskunst. Handelt es sich doch bei der Gentrifizierung, das kann kein Nutzer des Gesamtkunstwerks Stadt bestreiten, auch um eine Aufwertungsstrategie.

So ist also das Städel, wie jede Stadt, auch diese kleine, diese sehr lebendige, die der Erweiterungsbau bildet, alles andere als eine starre Einrichtung.

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