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22. Februar 2016

Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung: Auf politischen Trümmern

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Gundula Bavendamm ist neue Direktorin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung.  Foto: dpa

Gundula Bavendamm ist zur Leiterin der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ernannt worden. Die Institution fiel bisher lediglich durch Querelen und Zerwürfnisse auf. Für die 50-Jährige wird das ein hartes Stück Arbeit sein.

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Durchsetzungsstark, entscheidungsfreudig, gut vernetzt – so lauteten die Merkmale, mit denen die fünfzigjährige Gundula Bavendamm bedacht wurde, nachdem Anfang Februar bekannt wurde, dass die Historikern und Leiterin des Berliner Alliiertenmuseums die designierte Direktorin der heftig umstrittenen Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung ist.

Ein bisschen schien es, als sollten die Charakterisierungen ihres Arbeitsstils sie für ihre neue Aufgabe wappnen, mit der Bavendamm auf Vorschlag von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) am Montag vom Rat der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung betraut wurde. Einen gut präparierten Schutzschirm wird Bavendamm auch nötig haben für die Auseinandersetzungen in der noch jungen Einrichtung, die von Beginn an durch Querelen und Zerwürfnisse auffiel, aber wenig vom eigentlichen Arbeitsauftrag nach außen dringen ließ.

Die Stiftung kam gewissermaßen als Politikum auf die Welt. Betont arglos hatte es 2005 im Koalitionsvertrag der schwarz-roten Regierung geheißen, man wolle ein sichtbares Zeichen in Berlin setzen, um an das Unrecht von Vertreibungen zu erinnern.

Dahinter verbarg sich eines der ambitioniertesten, aber auch umstrittensten kulturpolitischen Projekte der vergangenen Jahre, das sich wiederholt an der Frage aufrieb, inwieweit der Flucht und Vertreibung der Deutschen vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieges gedacht werde solle oder ob Vertreibungen und Genozide als wiederkehrendes historisches Gewaltphänomen zu betrachten und wissenschaftlich zu bearbeiten seien.

Zur internationalen Affäre geriet der Streit, nachdem Erika Steinbach (CDU) als Vorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV) darauf beharrte, selbst einen Platz im Stiftungsrat einzunehmen. Gleich mehrfach musste der wissenschaftliche Beirat der Stiftung neu besetzt werden, nachdem vor allem polnische und tschechische Wissenschaftler ihre Mitarbeit aufgekündigt hatten, weil sie keine Alibirolle im Rahmen einer einseitig betriebenen nationalen Geschichtspolitik übernehmen mochten.

Gundula Bavendamm erhält nun die Chance, auf den kulturpolitischen Trümmern der Stiftung eine arbeitsfähige Institution zu errichten. Viel wird davon abhängen, ob es ihr gelingt, die Vorgaben abzustreifen und sich der akuten Dringlichkeit des Themas Flucht und Vertreibung zu bemächtigen, das nicht länger nur historisch erinnert, sondern politisch bewältigt werden muss.

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