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18. Dezember 2012

Suhrkamp: Vermittler zwischen den Kulturen

 Von Sabine Vogel
Michael Naumann, Ex-Minister mit neuem Auftrag.  Foto: dpa

Michael Naumann soll die Wogen im zerstrittenen Suhrkamp-Verlag glätten, so will es die Familienstiftung.

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Jetzt hilft bloß noch reden. Ansonsten droht die Liquidierung des zwischen seinen Gesellschaftern heillos zerstrittenen Suhrkamp-Verlages. Und das wäre nicht etwa nur der Untergang eines weiteren anspruchsvollen Publikationsverlages, wie er für den krassen Kapitalismus derzeit symptomatisch ist, sondern eine solche Katastrophe, dass der ehemalige Präsident der Akademie der Künste, der Schriftsteller Adolf Muschg, gar das Eingreifen des Bundespräsidenten gefordert hat. Wenn der Staat hier anfinge, die Fabrikation kultureller, publizistischer Werte vor den Heuschrecken des Finanzmarktes zu schützen, wäre das natürlich so toll wie unrealistisch.

Fast so viel staatliche Autorität und bestimmt viel diplomatische Geschicklichkeit verspricht der frühere, unter Gerhard Schröder 1998 gekürte Kulturstaatsminister Michael Naumann. Den hat die Familienstiftung des Suhrkamp-Verlages nun zum Mediator im Kulturkampf zwischen Geist und Geschäft bestellt. Im Auftrag der bisherigen Suhrkamp-Geschäftsführerin Ulla Unseld-Berkéwicz, die über eine Familienstiftung 61 Prozent des Verlags hält, soll der Publizist, Politiker und langjährige Verleger Naumann zwischen der erhabenen „Suhrkamp-Kultur“ und den eher gemeinen Renditeinteressen des Minderheitsgesellschafters Hans Barlach vermitteln. Barlach ist mit seiner Medienholding mit 39 Prozent am Unternehmen beteiligt und versucht in zahlreichen Gerichtsverfahren, seinen Einfluss geltend zu machen. Kürzlich gab das Landgericht Berlin einer Klage Barlachs Recht und berief Unseld-Berkéwicz als Geschäftsführerin ab.

Nicht erfolgreich gelandet

Der graumelierte, immer sehr elegant und gut aussehende Intellektuelle Michael Naumann versteht viel von Geist und auch vom Geschäft, er beherrscht den Jargon der Eigentlichkeit von beiden Seiten. Unter seiner zehnjährigen Tätigkeit als Geschäftsführer der Rowohlt-Verlagsleitung von 1985 an verdoppelte sich dort der Umsatz, mehrere Nobelpreise gingen an die Autorinnen und Autoren des Verlags. Im Auftrag der Holtzbrinck-Gruppe zog der habilitierte Naumann 1995 dann nach New York, um dort zunächst den Verlag Metropolitan Books zu gründen und dann Henry Holt zu leiten. Nachdem er lange Jahre Herausgeber der Hamburger Zeit gewesen war, ging Naumann 2010 als Chefredakteur von Cicero nach Berlin, war nebenher beim linksintellektuellen Kursbuch und bei „Der anderen Bibliothek“ als Herausgeber engagiert und stellte sich zwischendurch, 2008, in Hamburg auch schon mal als SPD-Spitzenkandidat zur Bürgerschaftswahl.

So gewandt sich Naumann in Politik, Verlagsgeschäften und auf dem hochkulturellen Parkett bewegt – bei Hans Barlach ist er mit seinem Gesprächsangebot noch nicht erfolgreich gelandet. Der gibt sich nicht erreichbar. Dass der Suhrkamp-Autor Peter Handke ihn derweil in der heute erscheinenden Zeit einen „Unhold“ nennt, „ein von Grund auf Böser, einen Abgrundböser“, dürfte nicht zur Entspannung beitragen.

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