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01. November 2011

Tel Aviv Museum of Art: Noah im U-Boot

 Von Harald Jähner
Getrocknete Tulpen, Rosenstöcke, Kleider von Puppen, Zwergen oder Engeln. Anselm Kiefers "West-östlicher Diwan" in Israel.  Foto: Harald Jähner

Mit einer Anselm-Kiefer-Ausstellung eröffnet das Tel Aviv Museum of Art einen Neubau. Der Boden des Raumes ist übersät mit zersplittertem Glas, aus einem düsteren Metallblock ragen scharfkantige, zerbrochene Scherben hinaus.

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Ausgerechnet ein deutscher Maler eröffnet den neuen Anbau des Tel Aviv Museums of Art in Israel. Ausgerechnet einer, der in der Vergangenheit durch sogenannte Hitlergruß-Bilder verstörte und weltbekannt wurde durch seine mythengesättigten Großformate, in denen er sich wie besessen mit dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust beschäftigte, sich aber politisch klarer Botschaften radikal enthielt.

Anselm Kiefer ist der Idealtypus eines zweifelhaften Gesellen. Als ihm vor drei Jahren der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zugesprochen wurde, hagelte es Kritik wegen der politischen Indifferenz, mit der Kiefer auf die Gewalt und Zerstörung reagiere, die ihn manisch anziehe. Er ästhetisiere sie, statt sie zu verurteilen. Und nun, in Israel, darf er als erster das soeben fertig gestellte "Herta und Paul Amir Gebäude" des Tel Aviver Kunstmuseums bespielen, das am 2. November feierlich der Öffentlichkeit übergeben wird. Wie passt das zusammen?

Der jüdische Mythos in der deutschen Sitte

Für den neuen, spektakulären Bau, der auf fünf Etagen 18.500 schwer bespielbare Quadratmeter bietet, hat Kiefer einige ältere Werke zur Verfügung gestellt und eines vor Ort als ständige Installation geschaffen: "Schvirat Ha-Kelim", "Zerbrechen der Gefäße", eine Anspielung auf die Schöpfungsmystik der Kabbala, in der mit der Gestaltwerdung des Menschen von Beginn an die Zerstörung verknüpft ist. Der Boden des Raumes ist übersät mit zersplittertem Glas, aus einem düsteren Metallblock ragen scharfkantige, zerbrochene Scherben hinaus; Absperrungen halten die Besucher zu deren Sicherheit auf Distanz. Das Objekt ist gemeingefährlich.

"Die Juden waren die ersten, die meine Bilder verstanden haben, allerdings in New York", erzählt Kiefer in den Räumen der Ausstellung. Der Ehre, die ihm jetzt in Tel Aviv zuteil wird, ist er sich bewusst. In einem Vortrag, den er in der vergangenen Woche noch vor der offiziellen Eröffnung im Museum hielt, bemühte er sich, Gemeinsamkeiten mit Israel herauszustellen. In dem schwäbischen Dorf, in dem er aufgewachsen sei, habe es einen Hügel gegeben, den sie Ölberg nannten. Eng hingen deutsche und jüdische Kultur zusammen. So lebe der jüdische Mythos vom Zerbrechen der Gefäße in der deutschen Sitte des Polterabends fort.

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