Ein Vorteil der aktuellen Situation ist ohne Zweifel, dass Dinge möglich scheinen oder wahr werden, die vor kurzem noch undenkbar waren. Die Börse wird zur Lotterie, Araber übernehmen Daimler, Verslumung der USA, VW ist das wertvollste Unternehmen der Welt und wird trotzdem von Porsche übernommen, GM ist keinen Cent mehr wert. Autos fahren ohne Benzin, Banker sind Hochstapler, Schwarze werden Präsidenten und ein SPD-Mann rettet die Bankenwelt. Jeden Tag lernen wir neue Seiten unserer aufregenden kleinen Welt kennen.
Wir sollten uns langsam abgewöhnen, das Ding "Finanzkrise" zu nennen. Wie wäre es mit: Der große Umbruch, die Zwischenzeit, die Zeit der Wahrheit, oder auch: Yes, things gonna change. Wir sind ja ohnehin alle Amerikaner.
Und jetzt, liebe Kollegen aus dem Wirtschafts-Ressort, müssen wir doch mal ein ernstes Wort mit euch reden. Ihr Leute von der Wirtschaft seid es doch, die uns immer gepredigt haben, dass in der Krise Chancen stecken. Warum müsst ihr dann den guten Frank Asbeck, nur weil er sich vorstellen kann, Opel zu übernehmen, zum Spinner erklären? Asbeck ist der Kerl, der mal sein Geld damit verdiente, dass er gepanzerte Fahrzeuge an Kriegsberichterstatter vermietete, und der vor zehn Jahren ein Spinner war, weil er auf Solarenergie setzte. Ideen hat der offenbar, und funktionieren tun sie auch. Heute ist Solarworld einer der großen Solarenergie-Konzerne der Welt. Warum muss man sein Angebot nur für einen Gag halten? Da ist doch nun mal wirklich Phantasie drin. Ist doch immer so bei gutem Rock'n' Roll, dass er erstmal etwas kaltschnäuzig und abgefahren ausschaut.
Und es ist egal, ob das Angebot heute Aussicht auf Erfolg hat, der Mann hat auf jeden Fall die Zeichen der Zeit erkannt. Wer weiß schon, wie es morgen aussieht? Vielleicht ist GM bald froh, wenn ihnen überhaupt noch jemand etwas abkauft. Vielleicht ist Solarworld dabei, wenn die USA auf Klimatechnik setzen, weil dort jetzt jeder den Laden kennt. Think different, think big.
Der große Wandel ist im Gang und wir sind dabei. Macht euch locker. Die Krise hat doch auch komische, vergnügliche und schöne Seiten.
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