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Times Mager: Die sechs

Ach, hätte die Jury des Deutschen Buchpreises doch auf Peter Handke gehört! Der hatte längst angekündigt, nur noch fürs "Schwammerlsuchen" Preise anzunehmen - und seine Nominierung auf der Longlist zurückgezogen. Von Ina Hartwig

Dr. Ina Hartwig ist Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Dr. Ina Hartwig ist Literaturredakteurin der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Ach, hätte die Jury des Deutschen Buchpreises doch auf Peter Handke gehört! Der hatte längst angekündigt, nur noch fürs "Schwammerlsuchen" Preise anzunehmen - und seine Nominierung auf der Longlist zurückgezogen. Und wenn die Jury dann auch noch gleich auf die Nominierung von Martin Walsers Goethe-Buch verzichtet hätte, hätte sie zudem die Schmach vermieden, die jetzt dem armen Mann zuteil wird, indem er den Sprung auf die Shortlist nicht geschafft hat. Ohne Walser und ohne Handke hätten beispielsweise Marlene Streeruwitz oder Christian Kracht mit ihren neuen, höchst diskutierenswerten Romanen auf der Longlist landen können. Die Auswahl wäre attraktiver gewesen.

Nun, es hat nicht sollen sein. Fiel die Longlist mit 20 Titeln durch eine gewisse Solidität und nur einige originelle Ausreißer auf, so kann man seit gestern vormittag sagen: Die Shortlist mit den sechs Finalisten zeichnet sich vor allem durch Originalität aus.

Iris Hanikas Lovestory "Treffen sich zwei" mag anrührend sein (sofern man sich über die sprachlichen Schwankungen hinwegsetzt), aber als "besten deutschen Roman" wird man das Büchlein schwerlich bezeichnen können. Ingo Schulze, wohl der beliebteste deutsche Schriftsteller, ist der Konsenstyp schlechthin, aber "Adam und Evelyn" kaum sein bestes Buch. Dietmar Dath wiederum ist doch arg skurril als Kandidat für diesen Preis; jedenfalls werden sich die sechzigjährigen Damen, deren Herzen und Geldbörsen mit dem Deutschen Buchpreis erobert werden sollen, kaum an der "Abschaffung der Arten" delektieren. (Was die Jury vielleicht gerade anstachelte? Da scheint durchaus Krawallpotenzial vorhanden zu sein.) Sherko Fatah: ein Autor, über den kaum Einigkeit zu erzielen ist; es bleibt ein Rätsel, warum über seine langweilige Sprache so bereitwillig hinweggesehen wird. Und Rolf Lappert liefert Unterhaltungsliteratur in amerikanischer Manier, die ans Herz gehen will.

Bleibt noch Uwe Tellkamp mit "Der Turm": ein unwiderstehlicher Roman. Soghaft zieht er hinein in das Dresdener Bildungs-Soziotop in der DDR, zudem ein Buch von überraschendem sprachlichen Reichtum. Auf der allzu aparten Shortlist der einzige echte Anwärter auf den Preis.

Autor:  INA HARTWIG
Datum:  18 | 9 | 2008
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