Vor Jahren lernte ich, dass auf der Titelseite einer Zeitschrift nicht die Wahrheit, sondern ein Lockreiz zu stehen hatte. Also nicht: Interview mit Claudia Schiffer, sondern: Die Geheimnisse der Claudia Schiffer. Die Zeitschrift flüsterte ihrem Leser den neuesten Klatsch zu. Das war die Geste.
Im Verlag Elisabeth Sandmann ist jetzt ein Buch mit dem Titel "Frauen, die wir liebten" erschienen. 63 Herren erzählen von ihrem Filmschwarm. Marcel Reich-Ranicki erinnert an Käthe Gold, Cees Nooteboom dankenswerter Weise an Pier Angeli, Christian Kracht an Katharine Hepburn und Frank Plasberg an Sabine Sinjen.
Das ist alles auch dank der abgedruckten Fotos - zumal für ältere Herren - durchblutungsfördernd, herzerwärmend und schon darum einigermaßen komisch, aber auch der Untertitel - "Filmdiven und ihre heimlichen Verehrer" - fügt dem Werk den Reiz des Absurden hinzu.
Bei den hier abgedruckten Liebeserklärungen handelt es sich ja gerade nicht um die heimlichen Sehnsuchtsobjekte, sondern um die, die als schöne Drucksache einer breitesten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Es ist die Liste der ehrbaren Lustmacherinnen.
Das wird der Grund sein, warum in den Textbeiträgen von Lust so wenig die Rede ist. Es wird auch der Grund sein, warum Romy Schneider mit vier Nennungen (F.C. Gundlach, Vadim Glowna, Robert Menasse und David Wagner), die meistgenannte Diva auf dieser Hitliste ist.
Es hat auch etwas Rührendes, wie die Herren einerseits durchaus erglühen, "jene Verheißung gleichermaßen aus äußerer Kühle und animalischer Hitze" (Hellmuth Karasek über Kim Novak), andererseits aber es sorgsam vermeiden darüber zu schreiben, wozu diese Frauen dem Männergeschlecht doch wesentlich dienten und dienen: als aufmunternde Erinnerung, wenn sie mit ihren Freundinnen und Frauen - oder nötiger noch -, wenn sie ohne sie im Bett liegen und die Lust der Phantasie bedarf, um richtig in Fahrt zu kommen.
Das Buch - das macht seine altertümliche Komik aus - ist geschrieben und fotografiert worden um ein Wort, um eine Sache herum, die an keiner Stelle auftauchen, die aber in fast jedem Beitrag übermächtig anwesend sind, als eine die Erinnerungen hochspülende Triebkraft: Selbstbefriedigung.
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