Wer kein Blut sehen kann und nichts davon lesen mag, muss jetzt nicht weiter lesen. Er braucht auch vielleicht das Buch nicht, das - zum Glück, wird mancher meinen - bei Amazon zurzeit ausverkauft ist. Das Buch stammt von zwei Chirurgen und einem Internisten, ist ein medizinisches Handbuch mit Fallstudien, bisher nur auf Englisch erschienen und heißt "War Surgery in Afghanistan and Iraq". Die New York Times macht darauf aufmerksam, dass es in der US-Armee nicht wenige gebe, die dieses Buch lieber verhindert hätten. Armeeärzte, die in ihren Formulierungen nicht zimperlich sind, sollen Sätze wie "Nur über meine Leiche sollen Zivilisten das zu sehen bekommen!" gesagt haben.
Schrecklich sind an dem Buch sicher nicht die sachlichen medizinischen Schilderungen von Verletzungen, deren Therapien und Fehlern, die man dabei machen kann. Schrecklich sind die Bilder und der gut dokumentierte Umstand, dass sich die Art der Verletzungen mit den technischen Veränderungen in der Kriegführung ebenfalls dramatisch verändert hat. Entsprechend sei, meinen die Autoren des Buches, eine neue medizinische Ausbildung für die Front erforderlich. Gegenüber altmodischen Kriegen zeichnen sich die gegenwärtigen dadurch aus, dass Verwundungen durch Explosionen viel häufiger sind als durch Kugeln oder Metallsplitter, und dass Schutzkleidung und Helme den Soldaten zwar das Leben retten können, aber keine Verletzungen verhindern.
David E. Lounsbury, einer der drei Autoren des Buches, meint, der durchschnittliche Sanitäter und Militärarzt habe solche Verwundungen wie die hier gezeigten noch nie gesehen, nicht einmal in der Notaufnahme in New York. Das Buch sei nötig, um auf diese Erfahrung vorzubereiten und darauf, dass man alt bekannte Erste-Hilfe-Techniken schnell vergessen müsse. Fast alles habe sich geändert: der Umgang mit massiv traumatisierten Patienten, Amputationstechniken, Schmerztherapien und so fort. Ein äußerst nützliches Buch also für den Gebrauch an den Rändern der automatisierten Schlachtfelder.
Nur dort? Der technische und daher auch kriegstechnische Fortschritt ist nicht aufzuhalten. Die Frontverläufe werden sich ständig verändern.
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