Da war, mit Verlaub, ein klares Wort nötig, und dies klare Wort konnte nur "Nein!" lauten. Es handelte sich dabei um ein generelles Nein der Deutschen Bahn zu den derzeitigen Forderungen der drei Eisenbahner-Gewerkschaften GDL (6,5 Prozent), Transnet und GDBA (je 10 Prozent). Die Deutsche Bahn konterte die Forderungen origineller Weise mit dem Angebot, die Löhne und Gehälter für die nächsten zwei Jahre jeweils um ein Prozent zu erhöhen. Etwas großzügiger war die Bahn zuletzt bei der Erhöhung der Beförderungstarife im Dezember, und recht großzügig wären auch die Prämienausschüttungen an die leitenden Angestellten ausgefallen, die im Falle des geplanten Börsenganges vor einem Vierteljahr die Hände hätte aufhalten dürfen. Nur kam es dann so, dass die Einnahmen, die man mit dem Börsengang erzielt hätte, zwar für die Prämien gereicht hätten, nicht aber auch noch für die Investitionen, die man hätte tätigen wollen beziehungsweise müssen.
Ja, so ist sie, die Bahn. Den Eisenbahnern also, die vom morgigen Donnerstag an wohl mit dem Warnstreiken beginnen werden, zunächst ein warm empfundenes Dankeschön von dieser Stelle, euer Streik, verehrte Kollegen, dient nicht nur euren Forderungen, sondern auch dem Ausdruck eines allenthalben empfundenen gerechten Zorns gegen diedaoben. Kein Wort des Ärgers über euch soll an den Bahnsteigen ertönen, wenn die Verspätungen ausnahmsweise nicht von der üblichen Schlamperei, sondern von diesem Ausdrucksbedürfnis verursacht werden.
Auch in unserem in dieser Hinsicht stets vorbildlichen Nachbarland Frankreich wird morgen gestreikt, allerdings bedeutet das dort nicht ganz dasselbe wie hier. Es kann sein, dass im ganzen Lande der öffentliche Nahverkehr und wer weiß was noch weitgehend lahmgelegt wird, ohne dass man zurzeit eine Zahl dingfest machen könnte, um die es dabei geht. Am ehesten geht es den Organisationen, Gewerkschaften und Parteien, die zu dem Streik aufrufen, noch um Mobilisierungszahlen. Thema des Streiks ist schlicht der gerechte Zorn, den viele empfinden, wenn sie sich vor Augen führen, wie sie behandelt werden und was ihnen noch blühen kann.
Gut: Zehn Prozent, das ist schon mal ein Anfang.
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