Es geschieht nicht von ungefähr, dass der Wahlkampf in den USA einige sehr elementare Fragen hervorgebracht hat. Fragen, die man fundamental nennen könnte. Dazu zählt auch die, ob der amerikanische Wähler, wenn er sein Wahlrecht wahrnimmt, wenn er mit sich nur noch allein ist, wenn ihm kein Mitmensch mehr über die Schulter schaut, sondern allein eine höhere Instanz (ob religiös, moralisch oder politisch) - ob er, dieser Wähler, dann so weit in sich geht und sich seiner globalen Verantwortung bewusst ist? Weiß der Amerikaner, dass am 4. November ein Moment von welthistorischer Bedeutung auf ihn zukommt?
Diese Frage der Autoren Ziauddin Sardar und Merryl Wyn Davies könnte kaum fundamentaler sein. Mit einem Fundamentalismus, der in den USA nicht nur bei presbyterianischen Christen, die den Begriff zu Beginn des 20. Jahrhunderts einführten, eine feste Bleibe hat, hat der Gedanke nichts gemein. Und doch trifft er den Leser des soeben erschienenen Buches "Will America change?" (Icon Books, beim aktuellen Dollarkurs für 13,90 Euro) mit Macht - im Grunde wie eine Hypermacht. Der Kulturtheoretiker Sardar und die Anthropologin Davies wurden bekannt durch ihr Buch "Woher kommt der Hass auf Amerika?" Angesichts der darin diagnostizierten Mentalität aus Zynismus, Doppelmoral, aber auch naivem Selbstbewusstsein verwundert die Frage an die amerikanische Adresse. Denn ist der amerikanische Wähler ein auch zum Altruismus neigendes Wesen (so wie etwa der deutsche Souverän, geschult an den Idealen des Alten Europa, durch und durch!)?
Sardar und Davies meinen ihre Frage nicht rhetorisch - oder ironisch. Die Tatsache, dass die amerikanische Außenpolitikerin Madeleine Albright die amerikanische Nation die "unentbehrliche" nannte, mag Aufschluss geben über grundlegend antiamerikanische Ressentiments. Die Autoren jedenfalls appellieren mit Albrights Gedanken an das Verantwortungsbewusstsein der amerikanischen Nation. Wie grundstürzend sie es meinen, geht daraus hervor, dass sie an so etwas wie einen historischen Nullpunkt glauben. Sie nennen den Wahltag, den Tag des Mentalitätswechsels, nicht "Stunde Null". Sie sprechen von einem anderen "Ground Zero".
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