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Times Mager: H0-Eisenbahn retten

Hartmut Mehdorn könnte sofort, ohne Kündigungsfrist und mit Abfindung, nach Göppingen gehen und Märklin retten - irgendjemand muss ja ein Paket schnüren. Von Hans-Jürgen Linke

Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Hans-Jürgen Linke ist Feuilleton-Redakteur der Frankfurter Rundschau.
Foto: FR

Es gebe einen Hoffnungsschimmer, heißt es, aber ein Schimmer ist zu wenig, wo Gewissheit nötig ist. Es geht hier nicht um einen landläufigen mittelständischen Betrieb, es geht um eine systemrelevante Firma: den Modelleisenbahnhersteller Märklin im schwäbischen Göppingen.

Märklin kämpfte bei der Landesbank Baden-Württemberg um eine Kreditverlängerung und geht nun, da es keine mehr gibt, in die Insolvenz. Irgend jemand muss hier ein Paket schnüren. Dringend. Wir wollen gar nicht das komplette Menetekel an die Wand malen, wir wollen nur andeuten: Wie viele Biografien würden unglückliche Verläufe nehmen, wenn das passierte!

Nicht nur die der viel belächelten Männer, die in ihren Hobbykellern keine regulierbaren Biotope mehr beherrschen und ausbauen könnten, sondern auch die ihrer Gattinnen, ihrer Kinder, ihrer Nachbarn, ihrer Lieferanten! Man kann nur ahnen, wie viel sozialer Sprengstoff von Göppingen aus tagtäglich entschärft wird.

Eine so verantwortungsvolle Aufgabe wie die Rettung der Firma Märklin darf auf keinen Fall Bankern überlassen bleiben. Wir wissen inzwischen zu gut, was wir von Bankern zu halten haben, und wenn sie keine Möglichkeit mehr sehen, Märklin zu restrukturieren, dann komplettiert das nur das nicht unerwartete Armutszeugnis für diesen Berufsstand.

So weit wir sehen, gibt es im Lande nur einen Mann, der diese Aufgabe meistern kann. Er hat viel Erfahrung mit bedeutenden Firmen, die elektrisch angetriebene Maschinen herstellen oder mit ihnen arbeiten. Zwar sind diese Maschinen größer als Modelleisenbahnen, aber wichtig ist: Er kennt die harte, kalte Welt der Wirtschaft. Und arbeitet zurzeit in einer verwandten Branche, wo alles 87 mal größer ist als bei Märklin.

Ein bisschen zu groß vielleicht, zu schwer beherrschbar, zu komplex. Gerade jetzt aber wäre ein guter Zeitpunkt, diese Firma zu verlassen. Das Mega-Projekt, mit dessen Wahn- und Schwachsinn sein Name auf immer verbunden sein wird, ist gescheitert, er hat die Wahl, als Krawallmacher mit krimineller Energie in die Geschichte einzugehen oder als Lichtgestalt.

Hartmut Mehdorn könnte sofort, ohne Kündigungsfrist und mit Abfindung, nach Göppingen gehen und Märklin retten.

Autor:  HANS-JÜRGEN LINKE
Datum:  3 | 2 | 2009
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