"Wir sind in schwierigen Zeiten", sagte Hermann Parzinger und meinte damit die allgemeine Haushaltslage, die auch für das staatliche Renommierobjekt Stiftung Preußischer Kulturbesitz in der nächsten Zeit zu einer Belastungsprobe werden wird. Trotz steigender Tarife und stetig wachsender institutioneller Aufgaben ist der finanzielle Grundstock seit 1996 nicht erhöht worden.
Schwierig sind die Zeiten für Parzinger aber auch, weil gut ein Jahr nach seinem Amtsantritt auf einem der weltweit wichtigsten Kulturposten der Erwartungsdruck ins Unermessliche steigt. Anfang Juli will Parzinger in einer Werkstatt-Ausstellung zeigen, womit er das Berliner Stadtschloss zu füllen gedenkt. In einer Pressemitteilung der SPK werden dafür die bereits bekannten Begriffsschablonen bemüht. "Centre Pompidou des 21. Jahrhunderts" heißt es da, und es wird die Absicht bekundet, sich den "Chancen und Risiken der Globalisierung zu stellen". Derlei Worthülsen verheißen nichts Gutes. Parzinger und die Seinen haben sich ein Großprojekt kultureller Identitätsbildung aufgeladen, das sich seiner Paradoxien nur bedingt bewusst zu sein scheint. Es gehört ja zu den Eigenheiten der Identitätserzeugung, sei es individueller, nationaler oder kultureller Art, dass diese zwar unentwegt aufgeführt wird, aber letztlich keine substanzielle Entsprechung hat. Identität, kann man mit dem französischen Soziologen Jean-Claude Kaufmann sagen, wird ständig gesucht, aber nie gefunden.
Im Humboldt-Forum will man sich alsbald in anspruchsvollen Vorwärts- und Rückwärtsbewegungen den Identitäts-Prozessen der Weltkulturen verschreiben. Das ambitionierte Vorhaben delegiert Parzinger vorerst an die Architektur. "Notwendig wird eine modulare Ausstellungsarchitektur sein, die genügend Flexibilität zulässt, um Ausstellungen nach gewisser Zeit zu verändern oder auszutauschen. Denn die Art und Weise, außereuropäische Kunst und Kultur wahrzunehmen, ist nichts Statisches." Da ist noch viel Konzept- und Spracharbeit zu leisten. Es gehört zur Idee des Humboldt-Forums, kritische Stimmen immer wieder aufs Neue einzubinden. Auf ihrer Jahrespressekonferenz erteilte sich die SPK-Führung aber zunächst einmal sehr lange selbst das Wort.
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